Blockchain in der Lieferkette: Vorteile, Anwendungsbereiche, Hürden

Blockchain in der Lieferkette

Bild: Pixabay/Hedi B.

Laut einer Studie des Capgemini Research Institutes könnte die Blockchain in den nächsten Jahren massentauglich werden: Bis zum Jahr 2025 soll die komplexe Technologie so ausgereift sein, dass Lieferketten weltweit damit gemanagt würden. Doch wie ist der Status quo? Welche Vorteile hat die Technologie? Gibt es bereits erfolgreiche Anwendungsbeispiele und wo liegen eventuell Hürden? Wir geben Antworten.

Für die 450 befragten Unternehmen der Capgemini Studie, die sich eingehend mit der Implementation der Technologie in ihrer Lieferkette auseinandersetzen, sind die Reduktion der Kosten (89 Prozent), ein verbessertes Tracking (81 Prozent) sowie mehr Transparenz in der Supply Chain (79 Prozent) die Schlüsseltreiber für eine Investition in die Blockchain. Gleichzeitig setzen bisher lediglich drei Prozent der Unternehmen die Technologie im größeren Maßstab ein. Nur eins von zehn Unternehmen gab an, bereits ein Pilotprojekt gestartet zu haben, die überwältigende Mehrheit der Befragten (87 Prozent) prüft noch die Machbarkeit.
Grundsätzlich wurde das Potential der Blockchain für das Supply Chain Management jedoch erkannt. Dies zeigt auch das 9. Hermes-Barometer, eine Umfrage unter 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen: Mehr als ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass die Blockchain-Technologie das Potential besitzt, gewaltige Veränderungen in der Logistik herbeizuführen, die über den „normalen“ Digitalisierungsprozess deutlich hinausgehen. In größeren Unternehmen, mit mehr als 250 Mitarbeitern, stimmten sogar 49 Prozent dieser Aussage zu.

Vorteile der Blockchain

Die Blockchain gilt aufgrund ihrer alle Datensätze miteinander verbindenden Datenbank als besonders fälschungssicher. Einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts IDC zufolge ist sie daher besonders für die Finanzindustrie interessant, welche in den kommenden Jahren plant, rund 1 Milliarde Euro in die Technologie zu investieren.
Auch für das Supply Chain Management bietet die Blockchain einen echten Mehrwert: Im Hinblick auf die Datensicherheit im Kooperationsprozess der Lieferkette ist die Technologie laut des 9. Hermes-Barometers für mehr als die Hälfte der befragten Teilnehmer aus großen Unternehmen von gesteigerter Bedeutung. In kleineren Unternehmen stimmte ein Drittel der Logistikentscheider dem zu. Doch welche Vorteile ergeben sich ganz konkret aus der Nutzung der Blockchain im SCM?

Die Lieferketten werden immer komplexer, umspannen häufig den gesamten Globus und involvieren zahlreiche Partner: Hersteller, Verlader, Spediteure, Lieferanten und Kunden. Der vertrauensvolle Austausch von Daten ist in der Praxis schwierig, da häufig verschiedene IT-Systeme genutzt werden und unterschiedliche Sicherheitsstandards gelten. Eine gemeinsame Kommunikationsarchitektur erleichtert die Abläufe maßgeblich und führt darüber hinaus zu mehr Transparenz innerhalb der Supply Chain. Blockchain-Plattformen können hier eine gute Alternative zum eigenen zentralen ERP-System oder einer ERP-Cloud sein.
In der Regel sind diese Plattformen weltweit zugänglich und ermöglichen es allen Beteiligten einer Wertschöpfungskette – unabhängig von den eigenen, internen IT-Systemen – sich miteinander zu vernetzen und Daten in einem sicheren Umfeld auszutauschen. Damit die Partner nur die für sie relevanten Informationen erhalten, lassen sich eingepflegte Daten auch selektiv bereit stellen.

Die Vorteile einer Blockchain-Plattform-Lösung sind also:

  • Aufbau einer sicheren, unternehmensübergreifenden Kommunikationsarchitektur
  • Teilen von Daten, unabhängig von unternehmenseigenen IT-Systemen
  • Selektiver Zugriff auf Daten
  • Erhöhte Transparenz in der Lieferkette
  • Weltweiter Zugriff in Echtzeit

Anwendungsbeispiele für die Blockchain in der Supply Chain

Ob zur Verbesserung der Nachverfolgbarkeit der Lieferkette in der Fischproduktion, wie bei dem größten Produzenten von Fischkonserven in den USA, die transparente Rückverfolgung von Biobaumwolle oder die Kooperation namhafter Lebensmittelhersteller zur Optimierung ihrer Nahrungsmittel-Supply Chain – die Praxisbeispiele für Blockchain-Anwendungen in der Logistik mehren sich stetig.
Ein recht prominentes, weil erfolgreiches Beispiel ist das Joint Venture des Softwareherstellers IBM mit der dänischen Reederei Maersk. Anfang des vergangenen Jahres wurde ihre Informationsplattform für die Seefracht „Tradelens“ eingeführt. Auf der blockchain-basierten Plattform können seitdem Dokumente wie zum Beispiel Frachtbriefe, Versanddaten und Zollunterlagen hinterlegt werden. Beteiligte Handelspartner wie etwa Reedereien, Terminalbetreiber oder Zollbehörden haben in Echtzeit Zugriff auf die Informationen und können darüber hinaus auch die IoT-Daten ihrer Fracht einsehen, um zum Beispiel aktuelle Informationen zur Temperatur oder Luftfeuchtigkeit zu erhalten. Nach einer einjährigen Testphase, an der knapp 100 Handelspartner teilnahmen, kann die Plattform einige Erfolge vorweisen: So wurden beispielsweise Verzögerungen durch Dokumentationsfehler oder einen stockenden Informationsfluss mithilfe von sogenannten Smart Contracts eliminiert. Darüber hinaus konnten die Transitzeiten einzelner Lieferungen um 40 Prozent reduziert werden, was zu einer immensen Kostenersparnis für die beteiligten Akteure führte.

Limitationen der Blockchain-Technologie

Was sich in der Theorie gut anhört, ist in der Praxis leider noch nicht flächendeckend umsetzbar. Ein Grund dafür ist die Technologie selbst: In der Regel speichert die Blockchain die Datensätze entlang der gesamten Datenkette – jeder Datensatz wird mit dem vorangegangenen verknüpft. Das macht die Blockchain sehr sicher, da eine nachträgliche Manipulation einzelner Datensätze quasi unmöglich ist. Zeitgleich begrenzt dieses Prozedere die Transaktionen pro Sekunde, da ein enormer Rechen- und Energieaufwand für die Speicherung nötig ist. Für die Implementation und Entwicklung einer Blockchain-Anwendung ist zudem detailliertes Know-how gefragt, das vielen Unternehmen nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung stehen dürfte.
Darüber hinaus ist die Grundlage zur Umsetzung dieser komplexen Technologie eine umfassend digitalisierte Supply Chain. Diesbezüglich besteht laut des 8. Hermes-Barometers jedoch noch Nachholbedarf: So hatten im Frühjahr 2018 gerade einmal 8 Prozent der deutschen Unternehmen einen Transformationsprozess erfolgreich umgesetzt. Unternehmen, die die Blockchain für sich nutzen möchten, müssen – unabhängig davon, ob sie eine eigene Blockchain-Anwendung planen oder eine Blockchain-Plattform nutzen möchten – in einem ersten Schritt ihre Prozesse und internen Abläufe digitalisieren.
Ein letzter hier zu nennender Punkt, der den großflächigen Einsatz der Blockchain bremst, ist die Frage nach der rechtlichen Grundlage. Das Teilen von Daten über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg, ggfs. auf einer im Internet verankerten Plattform, stellt aktuell zahlreiche Juristen vor eine Herausforderung, da es dazu noch keine konkreten rechtlichen Handwerkzeuge gibt.

Die Blockchain bietet – besonders für sensible Branchen wie den Bankensektor oder Unternehmen aus der Pharmaindustrie – enormes Potential. Da die Entwicklung unternehmenseigener Lösungen jedoch sehr komplex und kostenintensiv ist sowie Know-how erfordert, werden Unternehmen künftig eher bereits bestehende Blockchain-Plattformen wie Tradelens nutzen, um von der Technologie zu profitieren.

Die Capgemini Studie „Does blockchain hold the key to a new age of supply chain transparency and trust?“ können Sie nach einer erfolgreichen Registrierung kostenfrei hier herunterladen.

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