Blockchain: Welchen Mehrwert schafft die Technologie für das SCM?

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Blockain im Supply Chain ManagementFotolia / ©Denys Rudyi

An der Blockchain-Technologie kommt dieser Tage niemand vorbei: Fast täglich diskutieren Experten über Potential und Anwendungsszenarien der komplexen Technologie. Wir beleuchten den Mehrwert von Blockchain-Anwendungen für das Supply Chain Management und klären über die Hürden bei der Implementierung auf.

Für eine Studie der YouGov Deutschland GmbH wurden 266 Personen des mittleren und höheren Managements mittelständischer Unternehmen zur Blockchain-Technologie befragt: 44 Prozent der Manager sind der Meinung, dass sich Blockchain-Ansätze durchsetzen werden. Ein Viertel der Befragten glaubt hingegen nicht an die Technologie.

Nach Meinung zahlreicher Experten bietet die Blockchain-Technologie ein hohes Potential für Wirtschaftsbereiche, in denen eine sichere Übermittlung von Daten und Informationen gefordert ist – wie zum Beispiel der Logistik.

Logistikbranche als Parade-Anwendungsbereich

In der Logistikbranche findet die Wertschöpfung zunehmend unternehmensübergreifend statt. Der Materialfluss wird über verschiedene Schnittstellen durch ERP- oder Cloud-Systeme gesteuert und der Austausch sensibler Daten schreitet rasant voran. Die zunehmende Vernetzung führt zu einem Anstieg von Kontaktpunkten, an denen Manipulationen möglich sind. Das schafft einen idealen Anwendungsbereich für die Blockchain.

Funktionsweise einer Blockchain

Letztlich handelt es sich bei der Technologie um ein offen einsehbares Buch von Transaktionen. Diese werden zu Blöcken zusammengefasst und an andere Transaktions-Blöcke (Block) gekoppelt, wodurch schließlich eine Kette (Chain) entsteht.

Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine alle Daten miteinander verbindende Technologie, die Daten auf mehreren Rechnern gleichzeitig verschlüsselt sowie dezentral speichert. So werden beispielsweise Lieferanteninformationen direkt mit Lieferdaten, Warenbestand sowie Finanzinformationen verknüpft und auf den Rechnern der beteiligten Partner gesichert. Produktion, Handel, Logistikdienstleister und Banken können in ein gemeinsames Netzwerk integriert werden und dort alle Daten einer Transaktion einsehen. Durch diese Verkettung findet eine Verifizierung der Daten statt und sichert sie gegen eine nachträgliche Manipulation.

Einsatzbereiche in der Logistik

Blockchain-Anwendungen eigenen sich grundsätzlich für alle Bereiche der Logistik. Das einige Branchen bereits mit der Etablierung der Technologie begonnen haben, zeigt die Dringlichkeit einer sicheren Datenvernetzung in den Bereichen. So arbeitet beispielsweise das Pharmaunternehmen Merck aktuell an einer Blockchain-Lösung für die eigene Lieferkette, um Medikamentenfälschungen entgegen zu wirken. Auch in der Lebensmittellogistik gibt es bereits mehrere Projekte zur Optimierung der Supply Chain mittels Blockchain.

Vorteile von Blockchain-Lösungen

Die Echtheit der einmal in der Blockchain gespeicherten Daten wird durch die Dezentralisierung und der damit einhergehenden Transparenz gewährleistet. Somit verspricht die Technologie nicht nur einen Schutz vor Manipulation. Durch den Zugriff aller beteiligten Geschäftspartner erhöht sich auch die Transparenz in der Lieferkette. Das ermöglicht eine effizientere Ausgestaltung der Supply Chain und somit einer Reduktion der Kosten. Darüber hinaus findet eine Verschlankung der administrativen Prozesse statt, da die Blockchain nicht zentral verwaltet werden muss und alle Parteien jederzeit auf wichtige Dokumente zugreifen können.

Hürden bei der Implementierung

Bevor die neue Technologie ihr Potential entfalten kann, muss sie noch einige Hürden überwinden. Bisher gibt es noch keinen festen rechtlichen Rahmen, in dem Blockchain-Anwendungen genutzt werden können. Das verunsichert Unternehmen und bedarf einer zügigen Lösung.

Eine weitere Herausforderung ist die Einbindung der Technologie in bereits bestehende digitale Strukturen. Eine leistungsfähige IT-Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für Blockchain-Anwendungen. Da die Daten verschiedener Parteien integriert werden müssen, besteht ein erhöhter Kommunikations- und Kooperationsbedarf, dem sich alle beteiligten Partner fügen müssen. Inwieweit das in der Praxis funktioniert, wird sich zeigen.

Ein entscheidendes Hemmnis steckt jedoch in der Technologie selbst: Die Blockchain gibt eine Transaktion erst frei, wenn die Daten auf den zugehörigen Rechnern hinterlegt ist. Das führt zu einer hohen Transaktionszeit, für die zwar erste Lösungen auf dem Markt sind. Für zeitkritische Echtzeit-Transaktionen wie z.B. dem Waren-Tracking ist die Blockchain-Technologie jedoch noch nicht vollends ausgereift.

KOMMENTARE

Kai H. at 14 Feb 2018

Sehr spannender Artikel, es wäre interessant einige weitergehende Informationen zu bekommen, welche konkreten Use Cases Hermes in Zukunft sieht.

    Redaktion at 15 Feb 2018

    Lieber Herr Kai H., die Blockchain-Technologie ist aktuell ein Trend unter vielen, den wir selbstverständlich intensiv bewerten und auch mögliche Einsatzgebiete diskutieren. Noch relevanter ist für uns aber zunächst das Thema Big Data, da die möglichen Anwendungsbereiche größer sind und Big Data darüber hinaus stärker auf die Lösung unserer kurzfristigen Herausforderungen einzahlt. Herzliche Grüße ihr HSC-Blog-Team

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