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E-Commerce in China: Über JD.com chinesische Kunden erreichen

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JD.com

Bild: Hermes Germany/Screenshot Startseite JD.com

Wer seine Produkte auf den großen Online-Marktplätzen im Reich der Mitte verkaufen möchte, sollte auch über die Alibaba-Konkurrenz informiert sein. JD.com ist mit 55 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und mehr als 310 Millionen aktiven Nutzern ein weiteres Schwergewicht im chinesischen E-Commerce, das deutschen Händlern vor allem in den Bereichen Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik den Markteinstieg erleichtern kann.

Dies ist Teil zwei der dreiteiligen Serie „Chinas Giganten – diese Unternehmen erobern den globalen E-Commerce“

Hinter dem Namen JD.com verbirgt sich nicht nur einer der beliebtesten Online-Marktplätze Chinas, sondern ein beeindruckender Internetkonzern mit den Schwerpunkten E-Commerce, Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz. Mit einem Marktanteil von 26 Prozent belegt JD.com, in Asien auch als Jingdong bekannt, den zweiten Platz in Chinas Online-Shopping-Ökosystem – gleich nach der Nummer eins, Alibaba. Medienberichten zufolge liefern sich die beiden Giganten seit Jahren ein Wettrennen um die Gunst der Konsumenten und übertreffen sich mit Versprechungen, jeweils das beste Mobile-Shopping-Erlebnis zu bieten. Denn es geht um einen riesigen Markt: Schon heute ist die kauffreudige chinesische Mittelschicht zahlenmäßig größer als die US-amerikanische. Laut Experten soll sie bis 2021 auf 600 Millionen Menschen anwachsen.

2018 wurde in den Medien vermehrt berichtet, JD.com habe ein Zwischentief, von dem soll sich der Internet-Gigant inzwischen jedoch erholt haben. Das belegen neue Umsatzzahlen, die kürzlich von dem Unternehmen veröffentlicht wurden. Demnach lag der Nettoumsatz im ersten Quartal 2019 bei 18 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von mehr als 20 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2018 entspricht. Zu dem offiziell verkündeten Ausbau des Geschäfts in Europa und Australien kam es bislang nicht. JD.com setzt stattdessen verstärkt auf sein Kerngeschäft in China, das ausländischen Händlern vielversprechende Möglichkeiten für den Cross-Border-E-Commerce bietet.

JD Worldwide – direkt an chinesische Kunden verkaufen

Deutschen Unternehmen, die von der chinesischen Kauflust profitieren wollen, bietet JD.com drei verschiedene Vertriebsmodelle über JD Worldwide, JD Marketplace und JD Direct Sales. Für ausländische Unternehmen oder Marken ohne Niederlassung im Reich der Mitte, ist vor allem der Cross-Border-Marktplatz JD Worldwide interessant. Wer diesen Kanal nutzen möchte, muss folgendes beachten:

  • Der JD.com-Zugang des Unternehmens muss im Ausland registriert sein.
  • Das handeltreibende Unternehmen muss über ein ausländisches Bankkonto (USD-Abrechnung) verfügen.
  • Der Händler ist selbst Markeninhaber oder besitzt die Markenautorisierung für den Verkauf von ausländischen Produkten – JD.com geht strikt mit Verstoßen um.
  • Die Firmengründung sowie Steuerzahlungen müssen offiziell nachgewiesen werden.
  • Das Unternehmen ernennt einen Bevollmächtigten bzw. Ansprechpartner für das Geschäft auf JD Worldwide.

Mit JD Marketplace und JD Direct Sales bietet Jingdong ausländischen Händlern zwei weitere Ansätze, um Produkte online zu platzieren und zu verkaufen. Grundlage ist in beiden Fällen allerdings eine Unternehmensregistrierung vor Ort. Für den Global E-Commerce betreibt JD.com zudem den E-Commerce-Marktplatz Joybuy.com, über den Kunden aus aller Welt chinesische Produkte kaufen können.

Online-Experte für Elektronik

Hervorragend positioniert zeigt sich JD.com im Bereich Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik und ist für deutsche Händler mit diesem Segmentschwerpunkt in China die erste Adresse. Die Handelsplattform, die Ende der 1990er-Jahre zunächst als stationäres Elektronik-Geschäft eröffnet wurde und 2004 online ging, bietet inzwischen auch weit darüber hinaus eine vielseitige Produktpalette in nahezu allen Bereichen der Konsumgüterindustrie. Aktuell verkaufen rund 210.000 Anbieter mehr als 31 Millionen Artikel über den Marktplatz. Mit 60 Prozent ist der Anteil männlicher Mobile-Shopper auf dem Online-Marktplatz ungewöhnlich hoch – und das typische Einkaufsverhalten zielgerichtet. Konsumenten sind bereits gut über angestrebte Produkte informiert, prüfen zügig Bewertungen anderer Verbraucher und vergleichen die in China grundsätzlich sehr ausführlichen Produktdetailseiten, bevor sie sich zum Kauf entscheiden.

Umfangreiches Logistiknetzwerk wächst weiter

Neben seiner dominanten Stellung in diesen Segmenten bietet Jingdong bislang einen weiteren Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz: Ähnlich wie der US-amerikanische E-Commerce-Pionier Amazon ist JD.com bekannt für sein weit verzweigtes Logistiknetzwerk. Dieses verfügt über mehrere große sowie zahlreiche kleine Lager und Standorte in verschiedenen Teilen Chinas. Um sicherzustellen, dass Produkte besonders schnell geliefert werden nutzt JD Worldwide die Partnerschaften von JD.com mit internationalen Logistikunternehmen sowie das firmeneigene landesweite Logistiknetzwerk. Dieses Netzwerk soll weiterhin wachsen und automatisiert werden, weshalb JD.com kürzlich 55 Millionen US-Dollar in ein chinesisches Logistikunternehmen namens Xinning investiert hat, dessen Supply Chain-Services auf die Unterhaltungselektronik zugeschnitten sind.

Mit der strategischen Investition verfolgt JD.com das Ziel, ein Big-Data-System aufzubauen, das die Effizienz steigert und Kosten senkt, indem Übereinstimmungen zwischen Ladungen (Cargos) und Fahrzeugen optimiert werden. Denn auch die Konkurrenz, allen voran Alibaba mit seiner Logistikfirma Cainiao und einem großen Logistikzentrum in Europa, rüstet sich für die Zukunft.

JD.com setzt auf strategische Partnerschaften und Beteiligungen

Um das Unternehmenswachstum voranzutreiben, setzt JD.com auf eine Vielzahl von strategischen Partnerschaften und Beteiligungen. So verkaufte der von Richard Liu gegründete Konzern vor einigen Jahren 15 Prozent seines Unternehmens an Tencent und sicherte sich damit einen mächtigen Verbündeten:  Seither arbeitet JD.com eng mit Tencents Mega-App WeChat zusammen und bindet zum Beispiel WeChat Pay in sein System ein. Davon profitieren auch die Händler, die auf JD.com verkaufen, denn WeChat Pay gilt neben Alibabas Alipay als beliebtester Mobile-Payment-Dienst.

Umgekehrt ist JD.com seit 2017 einer der größten Anteilseigner von Farfetch, einer beliebten Online-Plattform für Luxusgüter. Davon profitieren beide Seiten: Farfetch erhält durch die Beteiligung von JD.com Zugang zu mehr Kunden, während JD.com sein Luxuslabel-Segment ausbauen kann.

Für deutsche Händler insbesondere aus den Bereichen Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte, die Produkte direkt an chinesische Verbraucher verkaufen möchten, kann die Zusammenarbeit mit JD.com gewinnbringend sein. Vorteile bietet insbesondere das weit verzweigte Logistiknetzwerk, das einen schnellen Versand innerhalb Chinas ermöglicht. Sich frühzeitig gegenüber JD.com als verlässlicher Partner zu positionieren, verstärkt die Chance, von dem Potenzial der Handelsplattform und dem chinesischen Markt insgesamt zu profitieren.

 

Den ersten Beitrag der Serie können Sie hier lesen: „Sesam öffne dich“: Alibabas Tore zum Global E-Commerce

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