Maturity Index – Sechs Stufen zum Unternehmen 4.0

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Bild: Pixabay / Thomas1311

Das prognostizierte Wertschöpfungspotential durch Industrie 4.0 beziffern diverse Studien für die kommenden fünf Jahre auf zwischen 100 und 150 Milliarden Euro – allein für die deutsche Wirtschaft. Viele Mittelständler wollen von diesem Potential profitieren und suchen Wege zur digitalen Transformation. Der von der deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) entwickelte Maturity Index soll Unternehmen bei der Umsetzung unterstützen.

Mit dem Maturity Index hat die acatech in Kooperation mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen ein mehrdimensionales, sechsstufiges Reifegradmodell entwickelt. Dieses ermöglicht Unternehmen, den Status quo auf dem Weg zum agilen Unternehmen zu ermitteln und die Transformation bis hin zur autonomen Entscheidungsfindung voranzutreiben. Gerade für die Logistikbranche, welche bereits Vorreiter im Bereich der Digitalisierung ist, kann der Index wertvolle Handlungsempfehlungen für die weitere digitale Transformation liefern.

 

Der  Industrie 4.0-Entwicklungspfad

Um das Unternehmen 4.0 zu realisieren, haben die Forscher der Akademie sechs Stufen identifiziert, welche schrittweise für einen erfolgreichen Übergang begangen werden müssen. Als Grundlage dienen die ersten beiden Stufen: Computerisierung und Konnektivität – sprich Digitalisierung, welche die existentielle Voraussetzung für die Umsetzbarkeit von Industrie 4.0 darstellt. Unternehmen oder Branchen, die bereits hochgradig global vernetzt sind, wie die Logistik, haben diese Stufen häufig bereits hinreichend umgesetzt. Sie können direkt bei Stufe drei einsteigen: Sichtbarkeit.

 

Die sechs Stufen der digitalen Transformation

  1. Computerisierung

In den meisten Unternehmen ist bereits eine Vielzahl von Informationstechnologien im Einsatz. Jedoch werden die Technologien  noch isoliert eingesetzt.

  1. Konnektivität

Im zweiten Schritt werden die Informationstechnologien miteinander vernetzt. Die bisher isolierten Komponenten werden vollständig integriert. Am Ende dieser Stufe sollen die Kerngeschäftsprozesse digital abgebildet sein. Eine vollständige Vernetzung zwischen operativen Technologien und der Business IT hat zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht stattgefunden.

 

Auf Basis eines bereits digitalisierten Unternehmens beginnen die Stufen drei bis sechs, hin zum agilen, selbstlernenden Unternehmen.

  1. Sichtbarkeit – Was passiert?

Auf dieser Stufe sollen alle Vorgänge innerhalb des Unternehmens zentral erfasst werden können. Daher gilt es, ein digitales Modell des Unternehmens zu fertigen, welches es erlaubt ein jederzeit aktuelles Bild der internen Vorgänge sichtbar zu machen. Die acatech-Forscher nennen dieses Modell den „digitalen Schatten“. Unabhängig von den Analysen für einzelne Abteilungen, sollen die Daten des digitalen Schattens ein Gesamtbild des Unternehmens liefern. Dadurch können Entscheidungen nicht nur aufgrund von aktuellen Daten getroffen werden. Auch im Falle von Unregelmäßigkeiten wie Störungen kann schneller reagiert werden. Wenn beispielsweise eine verspätete Lieferung die Produktion einschränkt, kann dies in Echtzeit dargestellt und geeignete Maßnahmen wie eine veränderte Produktionsplanung, Informationen zu Lieferverzögerungen etc. kommuniziert werden.

  1. Transparenz – Warum passiert es?

Während auf Stufe drei mit der Realisierung des digitalen Schattens die Grundlage für die Transparenz geschaffen wird, wird diese im vierten Schritt aktiv ausgestaltet. Konkret heißt das: Die Daten werden nicht länger nur zur Erfassung des Ist-Zustandes genutzt, sondern auch zum besseren Verständnis von Zusammenhängen sowie zur Ursachenanalyse. Das aus dieser Analyse gewonnene Prozesswissen liefert eine wertvolle Unterstützung bei komplexen Entscheidungen. Der Einblick in Wirkungszusammenhänge kann darüber hinaus auch für die Zustandsüberwachung von Anlagen genutzt werden. Es ermöglicht beispielsweise die vorausschauende Wartung von Hardware wie Fertigungsanlagen oder Lagerrobotik.

  1. Prognosefähigkeit – Was wird passieren?

Da die Prognosefähigkeit entscheidend vom Grad der Ausbildung des digitalen Schattens sowie den daraus ableitbaren Wirkungszusammenhängen abhängt, gilt im Hinblick auf die Prognosefähigkeit: Je besser die geleistete Vorarbeit in den voran gegangenen Stufen, desto besser die daraus ableitbaren Prognosen und Handlungsempfehlungen. Denn mithilfe des digitalen Schattens lassen sich Zukunftsszenarien simulieren und Eintrittswahrscheinlichkeiten bewerten, auf Grundlage derer man geeignete Reaktionen und Maßnahmen ausarbeiten kann. So können Szenarien wie Cyberattacken, Produktionsausfälle oder Lieferschwierigkeiten im Vorfeld simuliert und Notfallpläne erarbeitet werden, um im Falle des Eintritts handlungsfähig zu bleiben und größeren Schaden abzuwenden.

  1. Adaptierbarkeit – Wie kann autonom reagiert werden?

In der letzten Stufe des Maturity Indexes geht es darum, Entscheidungen autonom, allein auf Grundlage der vorhandenen Daten und vorab entwickelten Szenarien zu fällen. Das Unternehmen 4.0 soll schlussendlich die Daten des digitalen Schattens so nutzen, dass positive Entscheidungen autonom gefällt werden und die daraus resultierenden Maßnahmen voll automatisch umgesetzt werden können. Wenn beispielsweise Flurförderzeug A ausfällt, können freie Kapazitäten der Förderzeuge B und C automatisch und ohne aktives menschliches Eingreifen ausgeschöpft werden.

 

Fazit

Die Entwickler des Maturity Index plädieren dafür, dass Potential von Industrie 4.0 zu erkennen und zu ergreifen, um sich Vorteile auf dem Markt zu sichern und sich langfristig zu behaupten. Der Index soll mittelständischen Unternehmen einen Leitfaden an die Hand geben, um die Transformation individuell anzugehen. Nur so könnten Unternehmen das 4.0-Potential ausschöpfen und langfristig am Markt bestehen.

Neben dem Einsatz verschiedener Technologien ist vor allem der Zugang zu Daten von entscheidender Bedeutung. Statt Daten an verschiedenen Stellen für z.B. einzelne Abteilungen oder Teams zu sammeln, müssen entscheidungsrelevante Informationen zentral zur Verfügung gestellt werden, um die entscheidenden Schritte zum Unternehmen 4.0 gehen zu können.

Neben dem Einsatz technischer Innovationen bedarf es darüber hinaus einer offenen Unternehmenskultur sowie aufgeschlossenem Personal, das die mit dem Prozess einhergehenden Veränderungen trägt und gestaltet, so die Entwickler des acatech Maturity Index. Ziel der Transformation ist letztlich ein agiles, lernendes Unternehmen zu realisieren, welches in der Lage ist, autonom Entscheidungen zu treffen und sich eigenständig an wechselnde Rahmenbedingungen anzupassen.

 

Die Studie können Sie hier kostenfrei herunterladen.

 

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Hermes Suppy Chain Blog veröffentlicht Artikel zum Maturity Index | Industrie 4.0 Maturity Center at 02 Aug 2017

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