Nachhaltigkeit in der SC: „Das Wissen über den eigenen Co2-Ausstoß ist essentiell“

CCWG Nachhaltigkeit SCM

Unsplash/chuttersnap

Als Mitglied der Brancheninitiative Clean Cargo Working Group (CCWG) möchte Hermes International, ein Geschäftsbereich von Hermes Germany, die Containerschifffahrt nachhaltiger gestalten und den Co2-Ausstoß reduzieren. Ein Interview über erste Erfolgsmeldungen und die weiteren Anstrengungen des Logistikdienstleisters, nachhaltig zu wirtschaften.

Rund 90 Prozent des weltweiten Handels werden aktuell über den Seeweg abgewickelt. Im Jahr 2010 bedeutete dies ein Volumen von 60.000 Billionen Tonnenkilometer. Dabei wurden rund 780 Millionen Tonnen Co2 ausgestoßen. Für das Jahr 2050 prognostiziert Statista die Frachtmenge auf 250.000 Billionen Tonnenkilometer und einen Co2-Ausstoß von weit mehr als 2,6 Milliarden Tonnen.

 

Co2-Emissionen sinken

Wie die Grafik zeigt, ist der Transport per Seefracht im Vergleich zur Bahn- oder Luftfracht bereits die Co2-schonenste Variante, Waren um den Globus zu transportieren. Dennoch arbeiten zahlreiche Unternehmen als Teil der Clean Cargo Working Group (CCWG) daran, die Co2-Emissionen zu verringern. Eines davon ist Hermes International. Der Hamburger Logistikdienstleister konnte durch die Zusammenarbeit mit der CCWG in den Jahren 2014 bis 2017 auf der Route Asien – Nordeuropa sowie Mittlerer Osten/Indien – Europa bereits Einsparungen von über 20 Prozent erzielen.

Wir sprachen mit Tobias Ruscheweyh, Head of Branch und verantwortlich für die Zusammenarbeit innerhalb der CCWG bei Hermes International über den aktuellen Status quo und die Bemühungen auf dem Weg zur grünen Logistik.

Nachhaltigkeit-Logistik
Co2-Emissionen im Vergleich auf Basis eines 466 Kollos (4660Kg und 22,2 cbm).

Herr Ruscheweyh, können Sie kurz erklären, wer hinter der CCWG steht und was die Hauptziele sind?

Gerne. Neben Hermes International haben sich inzwischen 64 führende Verlader, Spediteure und Frachtführer in der CCWG zusammengeschlossen. Insgesamt vertreten die Mitglieder 85 Prozent der globalen Container-Ladekapazität.

Das erklärte Ziel ist es, durch standardisierte Methoden die Umweltbelastung der Containerschifffahrt zu messen und basierend darauf, die eigene Supply Chain im Hinblick auf die Reduzierung der Co2-Emissionen zu optimieren.

 

Im Jahr 2017 berichtete Ihr Vorgänger, dass allein Sie, von Hermes International, den Co2-Ausstoß auf bestimmten Strecken um 20 Prozent senken konnten. Darüber hinaus konnten die Mitglieder der CCWG die Emissionen im Jahr 2016 um insgesamt 8 Prozent pro Kilometer und Standard-Container gegenüber 2015 reduzieren. Wie ist der Status quo?

Die CCWG hat zuletzt, gemeinsam mit ihren Mitgliedern, ein Framework entwickelt, das erstmals auch Leitlinien für die Bewertung von z.B. Lieferanten unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten mit einbezieht. Ziel ist es, die Bemühungen, um Nachhaltigkeit in der Logistik auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Denn letztlich ist eine „grüne Logistik“ nur unter der Beteiligung aller Lieferkettenpartner möglich.

Aktuell ist es bereits Praxis, dass 95 Prozent der Clean Cargo-Einkäufer die erhobenen Daten und Werkzeuge bei Beschaffungsentscheidungen oder zur Optimierung ihrer Supply Chain nutzen.

 

Die Anzahl der Mitglieder der CCWG wächst ständig. Waren es vor drei Jahren noch 45 Mitglieder, sind es heute bereits 65. Sehen Sie darin einen Trend? Und was bedeutet die wachsende Zahl der Akteure für die Zusammenarbeit innerhalb der CCWG?

Ja, ich sehe hier durchaus einen Trend – einen Spiegel der Gesellschaft. Die ökologische Nachhaltigkeit rückt immer mehr in den Blickpunkt der Verbraucher. Die Logistikbranche sollten diesen Trend aufgreifen, in der Logistiksteuerung darauf reagieren und im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entsprechende  Angebote machen.

Der Anstieg der Mitgliederanzahl innerhalb der CCWG ist ein Ergebnis genau dieser Entwicklung. Dadurch beteiligt sich nun eine große Zahl verschiedener Akteure aus der gesamten Supply Chain an der Initiative. Dadurch ist es uns möglich, Beispiele aus der eigenen Praxis auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Lösungen für systemische Umwelt- und Nachhaltigkeitsprobleme zu finden. Diese Diversität gibt allen Beteiligten darüber hinaus die Möglichkeit, die Bedürfnisse und Anforderungen der unterschiedlichen Akteure besser zu verstehen.

 

Welche Schritte unternimmt Hermes International darüber hinaus, zur nachhaltigeren Gestaltung der Prozesse?

Bezogen auf den internationalen Transport, planen wir neben der Ausweitung der Co2-Datentransparenz für unsere Kunden, auch weitergehende individuelle Angebote. Die detaillierte Messung und Dokumentation der Co2-Emissionen auf einzelnen Transportstrecken und bei den verschiedenen Transportträgern ist da nur ein erster Schritt.

Gemeinsam mit unseren Kunden erarbeiten wir individuelle Lösungen für eine ökologischere Gestaltung des Logistikprozesses. Mit Hilfe unserer Supply Chain Software können wir z.B. Optimierungspotential hinsichtlich der Reduktion von Leerfahrten oder der Nutzung multimodaler Lösungen aufdecken, um Transporte möglichst kosteneffizient und umweltschonend durchzuführen. Als konsequente Ergänzung, wollen wir unseren Kunden auch Vorschläge für Co2-Kompensationen machen.

 

Was raten Sie Unternehmen, die Ihre Lieferkette nachhaltiger gestalten wollen?

Um die Nachhaltigkeit in der Supply Chain beispielsweise im Transport-/Logistikprozess zu erhöhen, ist Transparenz ein wesentlicher Faktor. Dafür ist es zunächst notwendig, zu identifizieren, welche Prozesse intern bzw. extern gesteuert werden. Sprich: Welche Prozesse können Unternehmen überhaupt intern verbessern und für welche Prozesse sind sie auf die Kooperation mit ihren externen Lieferkettenpartnern angewiesen.

Eine valide Datengrundlage, auf deren Basis zuverlässige und nachvollziehbare Berechnungen erstellt werden können, schafft dann die Grundvoraussetzung, um den eigenen Co2-Fußabdruck zu ermitteln. Das Wissen über den eigenen Co2-Ausstoß ist essentiell. Erst dann können entsprechende Parameter im Sinne einer Co2-Reduktion definiert, dokumentiert sowie mit einem konkreten und langfristigen Ziel verknüpft werden. Abhängig vom eigenen Geschäftsmodell gibt es dann eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Co2-Bilanz zu verbessern. Sie reichen von der reinen Kompensation bis hin zu einer kompletten Neuausrichtung der Supply Chain, inkl. der Verpflichtung aller vor- bzw. nachgelagerten Akteure zu definierten Standards.

 

Herr Ruscheweyh, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

In diesem weiterführenden Beitrag lesen Sie, wie Unternehmen die Nachhaltigkeit in ihrer Supply Chain erhöhen.

Das aktuelle Hermes-Barometer zur Nachhaltigkeit im Supply Chain Management können Sie kostenfrei hier einsehen.

 

 

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