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Freight Forwarding: Nachhaltige Praktiken in der grenzüberschreitenden Logistik

von Maren Jannen

Mit der Zunahme des globalen Handelsvolumens steigen auch die Umweltauswirkungen, die mit dem Transport von Waren über große Entfernungen hinweg verbunden sind. Nachhaltige Praktiken in der grenzüberschreitenden Logistik gewinnen daher im Freight Forwarding zunehmend an Bedeutung: Sie sind nicht nur für die Reduzierung der CO2-Emissionen entscheidend, sondern auch für die Sicherung einer langfristig tragfähigen globalen Lieferkette. In unserem Blogbeitrag stellen wir verschiedene Möglichkeiten vor, wie Unternehmen bei internationalen Warenbewegungen nachhaltiger agieren können.

Gesetzliche Vorschriften rücken Nachhaltigkeit in den Vordergrund

Viele Unternehmen haben die Senkung ihrer CO2-Emissionen sowie die Umsetzung von ESG-Kriterien bereits ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. In Zeiten von strengeren gesetzlichen Vorschriften wie das deutsche Lieferkettengesetz oder CSRD gilt es wirkungsvolle Strategien zu entwickeln, um nicht nur die Logistikkosten, sondern auch die ökologische Bilanz zu optimieren. Die Implementierung nachhaltiger Praktiken rückt in der grenzüberschreitenden Logistik immer stärker in den Vordergrund. Doch welche Ansätze tragen dazu bei, die Umweltbelastungen während des Warentransports zu reduzieren?

Alternative Kraftstoffe und Antriebstechnologien für einen geringeren CO2-Ausstoß

Der Einsatz von alternativen Kraftstoffen und Antriebstechnologien nimmt im Bereich Freight Forwarding eine Schlüsselrolle ein, um den Übergang zu einer kraftstoffärmeren Logistik zu beschleunigen. LNG (Liquified Natural Gas) etwa wird aufgrund seines geringeren CO2-Ausstoßes im Vergleich zu herkömmlichem Diesel als umweltfreundlichere Option eingeschätzt. Insbesondere für den Seetransport und schwere LKW bietet LNG eine relevante Alternative, die sowohl die Stickoxid- als auch die Partikelemission signifikant reduziert.

Eine weitere vielversprechende Technologie sind Wasserstoff-Brennstoffzellen. Im Schwerlastverkehr und in der Schifffahrt bieten sie potenziell emissionsärmere Antriebslösungen, indem sie Wasserstoff in Elektrizität umwandeln, wobei Wasser als einziges Nebenprodukt entsteht. Spezifische Technologien wie Dual-Fuel-Motoren, die LNG und Diesel kombinieren, oder reine Wasserstoff-Brennstoffzellensysteme sind somit ein wichtiger Faktor, um Emissionsziele zu erreichen. Im leichteren Nutzfahrzeugbereich gewinnen zudem batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) an Bedeutung – Fortschritte in der Batterietechnologie verbessern die Reichweite und Ladeinfrastruktur dabei kontinuierlich.

Optimierung der Routenplanung durch KI

Auch die Optimierung der Routenplanung ist ein zentraler Ansatz in der grenzüberschreitenden Logistik, um die Umweltbelastungen zu verringern und gleichzeitig die Effizienz in den operativen Abläufen zu steigern. Leistungsstarke Advanced-Analytics-Plattformen, die Algorhitmen für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz nutzen, unterstützen Unternehmen dabei, die ideale Route für die Warentransporte zu berechnen. Dabei werden verschiedene dynamische Faktoren wie Verkehrsfluss, Wetterbedingungen und infrastrukturelle Beschränkungen in Echtzeit berücksichtigt. Diese Systeme ermöglichen nicht nur eine präzisere Vorhersage der Ankunftszeiten, sondern optimieren auch den Kraftstoffverbrauch und reduzieren unnötige Umwege oder Leerfahrten.

Durch die Integration von Telematiksystemen können Fahrzeugdaten wie Geschwindigkeit, Fahrverhalten und Kraftstoffverbrauch analysiert und aufeinander abgestimmt werden, um weitere Einsparungsmöglichkeiten zu identifizieren und die Fahrweise anzupassen. Mithilfe digitaler Plattformen lassen sich Sendungen verschiedener Kunden bündeln, wodurch die Auslastung der Transportmittel maximiert und die Anzahl der Fahrten reduziert wird. Derart optimierte Routen tragen sowohl zur Senkung Betriebskosten als auch der CO2-Emissionen bei, indem sie die zurückgelegten Kilometer sowie den Energieverbrauch pro Fahrzeug verringern.

Darüber hinaus können Unternehmen Programme zur Berechnung und Kompensation ihres CO2-Ausstoßes während des Transports nutzen, um einen Netto-Null-Effekt zu erziehlen. Weitere Informationen dazu gibt es hier: CO2-Emissionen reduzieren – das 3-Phasen-Modell für mehr Nachhaltigkeit.

Verbesserung der Containerauslastung durch intelligente Ladungssysteme

Im Bereich des Freight Forwarding bietet auch das Management der Containerauslastung viel Spielraum, um nachhaltiger zu agieren. Fortschrittliche Ladealgorithmen und Frachtverdichtungssysteme sorgen für eine optimierte Containerauslastung: Spezialisierte Softwarelösungen nutzen Dimensionierungsalgorhitmen, um Ladegüter innerhalb der Container optimal anzuordnen und zugleich wichtige Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Technologien wie IoT oder RFID werden eingesetzt, um die Ladungen innerhalb der Container zu überwachen und Echtzeitdaten zur Ladungsintegrität und -sicherheit bereitzustellen. Kooperative Logistikstrategien wie etwa das Co-Loading verschiedener Sendungen in einem Container tragen ebenfalls dazu bei, die Umweltbelastung pro transportierter Einheit zu verringern.

Durch solche Ansätze der Frachtverdichtung werden sowohl Leerfahrten als auch Transportfrequenzen reduziert – Unternehmen senken nicht nur ihre CO2-Bilanz, sondern auch ihre Betriebskosten. Präzise Planungstools und Kooperationen unterstützen somit eine nachhaltigere Nutzung logistischer Ressourcen und fördern ökologische und dennoch effiziente Transportprozesse in der grenzüberschreitenden Logistik.

Förderung von intermodalen Transportlösungen

Schienen-, Straßen-, Luft- und/oder Seeverkehr – intermodale Transportlösungen integrieren und kombinieren verschiedene Verkehrsträger, um die jeweiligen Vorteile optimal zu nutzen. Der Einsatz des Schienenverkehrs anstelle des Lkw-Transports auf längeren Strecken führt beispielsweise zu einer erheblichen Reduktion des CO2-Ausstoßes, da Züge bei gleicher Ladungsmenge wesentlich effizienter und emissionsärmer sind als Lastkraftwagen. Die Luftfracht wiederum ist unübertroffen in Sachen Geschwindigkeit, während der Transport per Frachtschiff vor allem für internationale Lieferketten eine kosteneffiziente Alternative bietet. Bei einem intermodalen Transportmanagement wird diese Diversität für individuelle Lösungen genutzt, die auf die speziellen Anforderungen der jeweiligen Waren und ihre grenzüberschreitenden Routen zugeschnitten sind.

Die Planung, Kombination und Interaktion der verschiedenen Transportmodi wird durch spezielle Software unterstützt, die Echtzeit-Daten nutzt, um Verkehrsflüsse und Umschlagprozesse zu verbessern. APS-Systeme (Advanced Planning and Scheduling) ermöglichen es, den optimalen Transport unter Berücksichtung von Kosten, Zeit und Umweltauswirkungen zu berechnen. Dafür werden auch externe Faktoren wie Verkehrsstörungen oder Wetterbedingungen einbezogen. Indem Logistik-Verantwortliche adaptive und dynamische Routenplanungen vornehmen, können sie flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren und ökologische Belastungen reduzieren.

Strategische Rückfuhrlogistik zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft

In der nachhaltigen Lieferkette nimmt die Förderung der Rückfuhrlogistik – auch bekannt als Reverse Logistics – eine zunehmend wichtige Rolle ein. Der Prozess umfasst nicht nur die Rücksendung von Produkten und Materialien zum Zweck der Wiederverwendung, Reparatur oder des Recyclings,  sondern verbessert auch den Umgang mit Rückläufern, um Ressourcen zu schonen und Abfallmengen zu senken. Durch die systematische Einbindung von Rückfuhrlogistik in ihre operativen Abläufe tragen Unternehmen zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft bei. Intelligente Technologien wie ERP-Systeme steuern dabei nicht nur den physischen Transport, sondern auch die Informations- und Finanzströme. Dafür müssen sie in der Lage sein, Daten über den Zustand und Standort der zurückgesandten Waren zu erfassen und zu analysieren, um Entscheidungen über die weitere Verwendung – ob Recycling, Refurbishing oder direkte Wiedereinspeisung in den Produktzyklus zu unterstützen. Die logistische Herausforderung besteht darin, diese Abläufe so kosteneffizient wie möglich zu gestalten, ohne dass die Umweltbelastung steigt.

Auf der strategischen Ebene erfordert die Rückfuhrlogistik eine enge Kooperation zwischen allen Beteiligten der Supply Chain. Hersteller müssen mit Logistikdienstleistern und Händlern Hand in Hand arbeiten, um Transparenz zu schaffen und die Rücknahme und Weiterverarbeitung von Produkten nahtlos zu organisieren. Hier helfen kollaborative Plattformen, um Daten und Informationen in Echtzeit auszutauschen und für alle Lieferkettenakteure zeit- und standortunabhängig zur Verfügung zu stellen.

Fazit: Zukunft der Lieferketten: Nachhaltige Strategien im Freight Forwarding

Nachhaltige Praktiken in der grenzüberschreitenden Logistik sind nicht nur eine Antwort auf regulatorische Anforderungen und das wachsende Umweltbewusstsein der Gesellschaft, sondern auch ein entscheidender Faktor für die langfristige Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Die technologiegestützten Ansätze ermöglichen es, effiziente, kostensparende und umweltschonende Lösungen zu implementieren, die nicht nur die Einhaltung von Umweltauflagen sicherstellen, sondern auch die Optimierung der gesamten Supply Chain fördern und die Reputation der Unternehmen als umweltbewusste Akteure stärken.

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