Omnichannel und Logistik: Herausforderungen meistern

Omnichannel Logistik

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Online, offline, mobil oder alles zur gleichen Zeit – das Kundenerlebnis findet heute längst auf allen Kanälen statt. Der moderne Kunde ist vernetzter, als je zuvor. Eine Entwicklung, auf die auch die Logistik reagieren muss.

 

Nach Angaben des EHI Retail Institute e.V. waren es 2019 vor allem die umsatzstärksten Händler, die auf das Omnichannel-Modell – und damit eine Verzahnung aller vorhandenen Informations- und Vertriebskanäle – setzten. Sicher ist jedoch: Mit der stetig wachsenden Vernetzung und der Nutzung mobiler Endgeräte wird auch der Druck auf die Logistik erhöht. Nicht umsonst werden Logistik und Supply Chain häufig als „Rückgrat moderner Omnichannel-Ansätze“ bezeichnet. Ein kosteneffizienter, personalisierter Service und flexible Fulfillment-Modelle könnten die Antwort sein.

Omnichannel – die logistische Herausforderung

Wie gewährleiste ich, dass meine Kunden auf allen Kanälen dieselben Informationen und Preise erhalten? Wie kann ich mein Inventar kanalübergreifend in Echtzeit abbilden – und damit sicherstellen, dass sich mein potenzieller Kunde bei nicht-Vorhandensein eines Artikels der Konkurrenz zuwendet? Lohnt sich wirtschaftlich die Zustellung aus einer anderen Filiale? Diese Fragestellungen beschäftigen Unternehmen, die sich im Rahmen der Erarbeitung einer nachhaltigen, effizienten Omnichannel-Strategie mit der Thematik auseinandersetzen.

Auch das Thema Fulfillment rückt in diesem Zusammenhang in den Fokus. Immerhin prognostiziert eine Studie des ECC Köln in Zusammenarbeit mit Hermes schon bis 2022 einen Anstieg auf mehr als 4 Mrd. Sendungen innerhalb des Kurier-, Express- und Paketdienstleister-Markts (KEP). Nachhaltige und effiziente Zustellkonzepte für Stadt und Land sollen her – auch, um den sinkenden Durchschnittserlösen pro Sendung Einhalt zu gebieten.

Die skizzierten Fragestellungen, mit denen sich Logistikentscheider im Omnichannel-Zeitalter beschäftigen, machen eines besonders deutlich: So praktisch und kundenfreundlich der Omnichannel-Gedanke ist, so wichtig ist auch seine Umsetzung in der gesamten Supply Chain. Wir erklären, was Entscheider beachten sollten.

Herausforderung 1: Ein einheitliches Informationssystem schaffen

Experten sind sich einig: Die größte Stärke des Omnichannel Modells – nämlich die perfekte Vernetzung aller genutzten Absatzkanäle und Kontaktpunkte ganz im Sinne des Kunden – ist gleichzeitig die größte Herausforderung, die sich der Logistik präsentiert. Schließlich müssen alle Schritte der Supply Chain perfekt verzahnt und auf einander abgestimmt sein.

Mithilfe der technischen bzw. mobilen Möglichkeiten, die sich dank Internet, Smartphone und Tablet ergeben, sind Unternehmen heute bereits in der Lage, ihr gesamtes Sortiment kanalübergreifend anzubieten. Konsequent muss allerdings sichergestellt werden, dass die verfügbaren Informationen kanalübergreifend identisch sind und eventuelle Auskünfte über die Verfügbarkeit der Ware dem tatsächlichen Lagerstatus entspricht.

Ein zentrales Datensystem für alle Kanäle sollte die Bereitstellung von Informationen sowie die Verfügbarkeit der Ware fördern.

Herausforderung 2: Bestände kanalübergreifend abbilden

Während die Grenzen zwischen stationärem und Online-Geschäft ganz im Sinne des Omnichannel-Gedankens immer stärker verschwimmen, sehen sich Unternehmen zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Bestände kanalübergreifend in Echtzeit abbilden zu können. Daraus ergibt sich auch eine der größten Herausforderungen für die Logistik: Wie kann die Ware trotz der unterschiedlichen Absatzkanäle schnellstmöglich zum Kunden gelangen? Wie kann ich die Transparenz über meine Lagerkapazitäten erhalten, wenn für die verschiedenen Absatzkanäle Ware entnommen wird?

Immer mehr Unternehmen setzen heutzutage daher auf IoT-Anwendungen wie eine smarte Lagerverwaltung mittels ERP-Cloud oder RFID-Codierungen ihres Sortiments. So lassen sich kanalübergreifend Bestände schnell überblicken und Lieferengpässe vermeiden.

Herausforderung 3: Fulfillment flexibilisieren

Anfang des Jahres starteten ECE und Hermes Germany ein Same-Day-Delivery-Pilotprojekt, im Rahmen dessen die stärkere Flexibilisierung der Bestände erprobt wurde. Dabei konnten ausgewählte Testkäufer Produkte aus einem Hamburger Shopping-Center zunächst online kaufen – und bekamen diese noch am selben Tag geliefert. Ziel des Auslieferungstests war es, die logistischen Prozesse zum direkten Versand aus den Geschäften in einem Shopping-Center („Ship from Store“) zu erproben und grundsätzliche Erfahrungen für zukünftige Omnichannel-Lösungen zu sammeln.

Experten sehen in einem flexibilisierten Fulfillment einen klaren Win-Win: Während die bequeme Abholoption außer Haus Zustellkosten spart und dem Zeitmanagement der Kunden entgegenkommt, werden gleichzeitig stationäre Impulskäufe begünstigt.

Fazit: Omni-Logistik mit vielversprechendem Potential

Das vielbeschworene 360-Grad-Kundenerlebnis, das der Omnichannel-Gedanke mit sich bringt, bietet in der Praxis viele Vorteile. Die wachsenden Umsätze, die sich mit einer gut durchdachten Omnichannel-Strategie erzielen lassen, kommen auch der Logistik zugute.

Nichtsdestotrotz stellt der Omnichannel-Gedanke die Branche vor große Herausforderungen. Informationen müssen synchron und in Echtzeit auf allen Kanälen verfügbar gemacht und Lagerbestände transparent in Echtzeit abgebildet werden. Auch in puncto Fulfillment und Auslieferungen wachsen die Ansprüche. Entsprechende Studien und Pilot-Projekte von Logistikdienstleistern wie Hermes tragen dieser Entwicklung Rechnung, indem sie wertvolles Know-how für zukünftige Omnichannel-Lösungen in der Logistik generieren.

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