Singles Day 2018: Tipps für ein erfolgreiches Peak Management

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Peak Management zum Singles Day

Viele große Händler, wie der E-Commerce-Gigant Amazon, bereiten sich bereits seit August mit der Erweiterung ihrer Lager und der Einstellung weiteren Personals auf das kommende Jahresendgeschäft vor. Um gut auf die erhöhte Nachfrage vorbereitet zu sein, sollten Unternehmen ihre Planung frühzeitig anpassen. Den Startschuss für den Jahresendspurt gibt am 11. November der chinesische Singles Day. Wir erklären am Beispiel des 11/11, worauf es bei erfolgreichem Peak Management ankommt.

Das größte E-Commerce-Event des Jahres findet im November statt: Am 11/11 feiern die Chinesen den Singles Day. Was als Junggesellentag begann, war 2017 mit einem Umsatz von 25,3 Milliarden US-Dollar der umsatzstärkste Tag der Welt. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage der Asiaten nach europäischen Waren rasant gestiegen. Was die Händler freut, bedeutet für die Logistik Schwerstarbeit. Wir sprachen mit Christian von Papen, Head of World Parcel Operations bei Hermes International, einem Geschäftsbereich der Hermes Germany, über die wichtigsten Faktoren für ein erfolgreiches Peak Management und die aktuellen Vorbereitungen des Dienstleisters auf den chinesischen Singles Day.

Herr von Papen, was sind für Sie die wichtigsten Faktoren für ein gelungenes Peak Management?

Zunächst ist es wichtig, auf Basis verlässlicher Forecasts arbeiten zu können. Ist dies nicht gegeben, sollten sich Unternehmen so flexibel wie möglich auf unterschiedliche Mengenszenarien einstellen. Dafür sollten genügend Personal, Frachtkapazitäten, aber auch Equipment und IT Ressourcen bereitgehalten werden, die zu einem hohen prozentualen Anteil flexibel einsetzbar sein müssen. Das verursacht natürlich nicht unerhebliche Kosten. Zuverlässige Forecasts und Erfahrung sind für ein gelungenes Peak Management daher unerlässlich.

Bild Hermes International

Christian von Papen, Head of World Parcel Operations bei Hermes International, einem Geschäftsbereich der Hermes Germany.

Was raten Sie Logistikentscheidern und was gilt es zu beachten?

Es sollten möglichst viele Faktoren in die Planung mit einbezogen werden. Alle Variablen im gleiche Maß zu betrachten ist kaum machbar und in der Regel zu aufwändig und somit sehr kostenintensiv. Daher sollten Entscheider sich auf Basis von 80 Prozent der wichtigsten Größen konzentrierten und diese planen. Letztlich kommt ein Peak immer anders als man denkt. Darauf sollten Unternehmen vorbereitet sein.

Viele Händler vergrößern in Stoßzeiten ihre Lagerfläche. Ist das ratsam oder ist ein Bestandsmanagement nach SCM-Ansätzen wie DDMRP oder CPFR sinnvoller, um die Lieferfähigkeit kostensensitiv zu gewährleisten?

Hier kommt es sehr auf die Art und Weise der Verkäufe an: Beim 11/11 geht es beispielsweise darum, an einem Tag bzw. innerhalb von 24 Stunden viel zu verkaufen. Eine schnelle Auslieferung ist hier wichtig. Lieferverzögerungen, auch wenn diese lediglich einen Tag betragen, sind häufig kontraproduktiv. Dieses Szenario ist mit SCM-Ansätzen kaum zu lösen. Geht es jedoch um den regulären Verkauf oder eine wochenlange Spitze, wie zum Beispiel dem Weihnachtsgeschäft, können Unternehmen mithilfe von SCM ihre Lieferkette selbstredend kosteneffizienter gestalten.

Wie gestaltet Hermes International sein Peak Management?

Zunächst stellen wir sicher, dass alle Abteilungen für die bevorstehende Spitze sensibilisiert sind und genügend Personal zur Verfügung steht. Danach holen wir uns Forecasts unserer Kunden ein, gleichen diese mit Daten aus der Vergangenheit ab, nehmen unsere eigene Schätzung hinzu und gehen an die Planung. Auf Basis der ermittelten Planzahlen versuchen wir 70 bis 80 Prozent unserer Kapazitäten fest zu verplanen. Für die restlichen 20 bis 30 Prozent halten wir Kapazitäten vor und gestalten die Nutzung flexibel.

Mit dem Start eines Peaks gibt es tägliche Iterationszyklen, in denen wir die Planung überprüfen, Abweichungen aufnehmen und gegebenenfalls Anpassungen für die folgenden Tage veranlassen. Unsere flexiblen Ressourcen planen wir täglich neu.

Im vergangenen Jahr haben Sie in Ihrem Lager bei Frankfurt a.M. mit dem Start des Singles Day auf Dreischichtbetrieb umgestellt, um Pakete 24 Stunden pro Tag abfertigen zu können. Darüber hinaus wurden Anpassungen an den Zu- und Ablaufbändern vorgenommen. Wie bereiten Sie sich in diesem Jahr konkret vor?  

Dieses Jahr sind wir in eine neue Halle direkt am Frankfurter Flughafen gezogen und haben eine zweite Scananlage installiert. Mit diesen Maßnahmen haben wir unseren möglichen Tagesdurchsatz nahezu verdoppelt. Neben den räumlichen Voraussetzungen – mehr Platz und mehr Technik, gehen wir aktuell in die Feinplanung und kalkulieren wie viel Hallenpersonal in welchen Schichten wir benötigen. Es ist gut möglich, dass wir auch in diesem Jahr wieder im 24 Stunden- oder zumindest im 20 Stunden-Betrieb arbeiten werden, um die immensen Mengen zu bewegen. Auch Samstagsarbeit planen wir ein.

Generell dürfen Unternehmen jedoch nie den Nutzen von Erfahrungswerten unterschätzen. Wir gehen davon aus, dass wir allein durch die Learnings aus dem vergangenen Jahr unsere Effektivität in diesem Jahr um fünf bis zehn Prozent steigern können.

Was sind die gravierenden Unterschiede zwischen einem 24-Stunden-Shopping-Event wie dem Singles Day und dem Weihnachtsgeschäft, welches sich ja über mehrere Wochen hinzieht?

Die Unterschiede des Warenaufkommens zwischen einer Peak und dem Normalgeschäft sind enorm. Allerdings handelt es sich dabei um kurzfristige Effekte. Daher ist es höchst unwirtschaftlich, während des gesamten Jahres derartige Flächen und Kapazitäten vorzuhalten. Für ein 24-Stunden-Peak-Event, wie den Singles Day, die benötigten Kapazitäten freizumachen, ist daher eine große Herausforderung.

Im Weihnachtsgeschäft reden wir über konstant sehr hohen Mengen. Die Spitze zieht sich somit über einen längeren Zeitraum hin. Die sich daraus ergebenen Effekte bleiben in der Konsequenz länger erhalten. Das macht es aber nicht minder schwierig solche Zeiträume zu planen, auch hier müssen zusätzliche Ressourcen vorgehalten werden. Mit Hilfe von Erfahrung und einer fachkundigen Planung, können aber auch länger anhaltende Nachfragesteigerungen realisiert und zum Erfolg aller umgesetzt werden.

Herr von Papen, vielen Dank für das Gespräch.

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