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Zukunftsmarkt Indien: „Verlässliche Partnerschaften sind immens wichtig“

von Redaktion

Indien gehört als einer der BRIC-Staaten zu den aufstrebenden Schwellenländern und ist für europäische Unternehmen vor allem als Produktionsstandort interessant. Wir sprachen mit Stephan Schiller, CEO von Hermes International, und Sam N Katgara, Partner Mumbai der indischen Spedition Jeena, über die Relevanz von strategischen Partnerschaften und den gemeinsamen Zukunftsplänen.

Indien: Aufstrebender Zukunftsmarkt

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 2,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 ist Indien eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Das Durchschnittsalter von 28,4 Jahren gepaart mit einem wachsenden Bevölkerungsanteil, der im Industrie- bzw. Dienstleistungssektor tätig ist, verspricht ein enormes Entwicklungspotential – von dem auch europäische Unternehmen profitieren können.

Wenngleich das Corona-Jahr 2020 mit einem Exportrückgang einherging, wurden immer noch Waren im Wert von rund 276,23 Milliarden US-Dollar exportiert. Im Jahr 2019 lag das Exportvolumen bei 324,34 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen neben Textilien, Schmuck und Softwareprodukten auch Produktionsgüter wie Chemikalien und Erdöl. Für europäische Unternehmen erweist sich Indien daher als ein vielseitiger Markt mit großen Möglichkeiten.

Herr Schiller, Hermes ist bereits seit Jahren auf dem indischen Markt aktiv. Was waren die Beweggründe für die Zusammenarbeit mit Ihrem langjährigen Partner Jeena – einem der größten Logistikdienstleister des Landes?

Schiller: Ja, das stimmt. Jeena und die Otto Group sind bereits seit mehr als 30 Jahren miteinander verbunden. Es lag daher nahe, diese Zusammenarbeit beim Aufbau des Geschäftsfelds Sea&Air (heute Supply Chain Solutions) bei Hermes, als Tochtergesellschaft der Otto Group, zu vertiefen.

Die Zusammenarbeit mit einem lokal ansässigen Experten wie Jeena verschafft uns und unseren Kund*innen Vorteile auf dem indischen Markt. Trotz seiner beachtlichen Größe ist Jeena ein familiengeführtes Unternehmen mit schnellen Entscheidungswegen, einer nachhaltigen Strategie und besten persönlichen Beziehungen auf allen Ebenen – von dieser Unternehmenskultur profitieren alle Beteiligten.

Katgara: Absolut. Sowohl Hermes als auch Jeena, als inhabergeführtes Familienunternehmen, teilen eine offene Unternehmenskultur, eine gegenseitige Wertschätzung und Motivation, die eine gewinnbringende Zusammenarbeit auszeichnet. Auch die Dauer der Zusammenarbeit spricht bereits für das enorme Vertrauen, das über die Jahre aufgebaut wurde – und natürlich auch für das Geschäftswachstum der Organisationen.

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Wie wichtig sind gerade in der aktuellen Zeit Partnerschaften, wie die mit Ihrem langjährigen Partner Hermes?

Katgara: Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, langjährige und verlässliche Partner*innen an seiner Seite zu haben. Mit Hermes haben wir über Jahre eine sehr vertrauensvolle Beziehung und gleichzeitig effiziente Zusammenarbeit aufgebaut – auch im persönlichen Kontakt. In diesen Zeiten neue Partner*innen über z.B. Videokonferenzen zu gewinnen, das käme nicht annähernd an die gute Basis heran, die wir mit Hermes teilen.

Schiller: Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Die Partnerschaft mit Jeena ist auch für uns sehr wertvoll. Durch die langjährige und gute Beziehung haben wir das Gefühl, mit Kollegen*innen zu interagieren und nicht mit externen Geschäftspartner*innen. Jeena war und ist daher auch in alle Phasen der Entwicklung unseres Indiengeschäfts eng eingebunden. Mit unserem Trade Lane Manager India, Arne Bockentin und seinem Team, haben wir darüber hinaus auch intern Mitarbeitende, die die Zusammenarbeit leben und engagiert vorantreiben.

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Sam Katgara, Mumbai Partner Jeena.

Welche Vorteile und Synergien bietet die Zusammenarbeit? Welchen zusätzlichen Nutzen bringt dies Ihren Kund*innen?

Schiller: Jeena ist ein ‚True Local Hero‘: Die Kolleg*innen kennen die regionalen Gewohnheiten und lokalen Besonderheiten, haben Ansprechpartner*innen in allen Bereichen und verfügen selbstredend über ein umfangreiches Netzwerk und Knowhow. Dadurch haben wir und auch unsere Kunden den bestmöglichen Zugang zu dem nicht immer ganz einfachen indischen Markt.

Darüber hinaus sehe ich explizite Vorteile gegenüber den großen Multinationals, die eigene Häuser in (fast) jedem Land der Erde haben. Im Bereich Zoll verfügt Jeena zum Beispiel über eine eigene Zollabteilung. Wo die großen Multinationals fast durchweg auf externe Broker zurückgreifen müssen, können wir gemeinsam mit Jeena unseren Kund*innen die ganze Bandbreite der Supply Chain Services anbieten.

Katgara: Die Zusammenarbeit bietet beiden Organisationen die Möglichkeit, die andere Kultur, das Geschäft und kulturellen Feinheiten zu verstehen, das ist für alle Beteiligten ein enormer Gewinn.

Darüber hinaus sind beide Organisationen der festen Überzeugung, dass die Geschäftsabwicklung der Zukunft digital sein wird. Dementsprechend haben wir stark in neue Technologien investiert, um unseren Kund*innen ein beispielhaftes Serviceerlebnis zu bieten, mit dem die Erwartungen an unsere Branche insgesamt steigen werden.

Herr Katgara, die Situation in Indien ist derzeit sehr angespannt. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Ihr Tagesgeschäft? Wie reagieren Sie auf die Situation?

Katgara: Wir, als einer der größten Spediteure Indiens, wurden als „Essential Service Bracket“ eingestuft, wodurch wir von vielen Maßnahmen ausgenommen wurden und ungehindert weiterarbeiten können.

Dies hilft uns, den Handel zu unterstützen, allerdings sind unsere Kolleg*innen an der Front im Hafen, am Flughafen sowie im Lager oder beim Zoll gefährdet. Wir haben größten Respekt für unsere Mitarbeitenden, die alle einen großen Aufwand betreiben, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Wir tragen selbstredend unseren Teil dazu bei, indem wir aktuell die gesamte Belegschaft in unseren Büroräumen impfen lassen.

Indien leidet noch immer unter den Folgen der Pandemie – gleichzeitig hat die Verknappung der Frachtkapazitäten zu einem enormen Anstieg der Frachtraten geführt. Sollten Unternehmen jetzt in den Markt einsteigen?

Katgara: Die Frachtraten sind in den letzten Jahren gesunken und wurden sogar so weit nach unten getrieben, dass Reedereien und Fluggesellschaften in Konkurs gegangen sind. Diese Ausgangslage hat die derzeitige Kapazitätsknappheit stark beeinflusst.

Ein Markteintritt ist aktuell sicher mit Hürden verbunden. Newcomer*innen wirtschaften ja erst einmal kostensensibel, was bei den aktuellen Frachtraten schwierig ist. Darüber hinaus fehlt es ihnen an Einfluss, um überhaupt Slots zugewiesen zu bekommen. Die derzeitigen äußeren Umstände sind eine Herausforderung, auf die sich Entscheider*innen einstellen müssen. Dennoch raten wir europäischen Unternehmen, sich mit den vielseitigen Möglichkeiten in Indien auseinanderzusetzen und das eigene Potential auszuloten. Selbstredend stehen wir hier mit unserem Knowhow zur Seite und unterstützen interessierte Unternehmen.

Schiller: Ein Einstieg sollte natürlich immer gut überlegt sein und strategisch geplant werden. Unabhängig davon, hat Indien jedoch sowohl als Beschaffungs- als auch Absatzmarkt enormes Potential: Die Wirtschaft wächst kontinuierlich und auch die Altersstruktur in Indien verspricht sowohl gewinnbringende Absatzmöglichkeiten als auch engagierte Arbeitskräfte für die Produktion.

Darüber hinaus kann Indien für Unternehmen eine interessante Alternative zu China sein, um das eigene Geschäft breiter aufzustellen. Für Unternehmen ist es in jedem Fall ratsam, den indischen Markt für mögliche Aktivitäten zu prüfen – gerne unterstützen wir hier vollumfänglich.

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Stephan Schiller, CEO von Hermes International.

Welche Möglichkeiten bietet Indien europäischen Unternehmen und wie unterstützen Sie diese vor Ort? Welche Dienstleistungen bieten Sie gemeinsam an?

Schiller: Gemeinsam mit Jeena können wir im Prinzip jede logistische bzw. Supply Chain-Dienstleistung in Indien erbringen, über alle Verkehrsträger hinweg und alle Bereiche betreffend: Von der Distribution bis zur Verzollung.

Spannend wird es immer dann, wenn wir unser Knowhow voll ausschöpfen und unseren Kund*innen eine Lösung präsentieren dürfen. Hier sind Hermes und Jeena gemeinsam besonders stark. So hat Jeena beispielsweise eine eigene Packstation (CFS) in der Region Delhi. Dort wird verschiedene Ware aus Nord-Indien konsolidiert und schnell und sicher in die Seehäfen transportiert – eine Lösung, die für unsere Kund*innen mit enormen Kosten- und damit Wettbewerbsvorteilen einhergeht.

Katgara: Absolut. Darüber hinaus sind wir auf dem indischen Markt der größte Zollmakler und unseren Kund*innen die gesamte Bandbreite von Logistikdienstleistungen – wirtschaftlich, effizient und schnell. Gemeinsam mit Hermes ist Jeena in der Lage, sowohl ost- als auch westwärts zu agieren, so dass wir unsere Kunden selbst in diesen herausfordernden Zeiten erfolgreich und nahtlos zufriedenstellen können.

Lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Welches Zukunftspotential sehen Sie in der gemeinsamen Zusammenarbeit? Und welche Projekte wollen Sie gemeinsam vorantreiben?

Katgara: Aufgrund der Synergien und des guten Rufs, den beide Unternehmen genießen, blicken wir gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft – da bin ich mir sicher.

Die Suche nach individuellen und effizienten Lösungen sowohl für unsere bestehenden als auch für unsere Pipeline-Kunden treibt uns weiterhin an. Mit innovativen digitalen Lösungen, die flexibel auf die Kund*innen zugeschnitten sind, wollen wir unsere erfolgreiche Zusammenarbeit auch künftig engagiert fortführen.

Schiller: Gemeinsam mit Jeena möchten wir weiterwachsen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Digitalisierung. Darunter verstehe ich in erster Linie den smarten Umgang mit Leistungsdaten: Wie können wir Daten noch intelligenter nutzen, um noch bessere Entscheidungen zu treffen? Wie können wir die Prozesse nachhaltig verbessern und unseren Kunden noch effizientere Lösungen anbieten? Denn: Wenn unsere Kunden erfolgreich sind, sind wir es auch.

Herr Schiller, Herr Katgara, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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