Effizienz in der Lieferkette: So bewerten Sie die Performance Ihrer Lieferanten

Lieferantenperformance II

Unsplash/Lukas Blazek

Transparenz in der Lieferkette kann gerade in Anbetracht der Corona-Pandemie ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für Unternehmen werden. Nur wer im engen und offenen Austausch mit seinen Lieferanten und Partner ist, kann im Worst Case – etwa, wenn ein Zulieferer wegen eines Lockdowns nicht mehr liefern kann oder gar von der Insolvenz bedroht ist – reagieren und auf mögliche Alternativen zurückgreifen.

Wie stark die derzeitige Viruskrise die Lieferketten deutscher Unternehmen beeinflusst, zeigt eine Studie des Bundesverbandes eCommerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) aus dem Frühjahr. Bereits vor dem Lockdown, gab jedes zweite der befragten Unternehmen Lieferverzögerungen aufgrund unterbrochener globaler Lieferketten an. Immerhin jedes vierte Unternehmen berichtete, dass geringe Transportkapazitäten den Warennachschub behinderten. Zulieferer weltweit hatten Schwierigkeiten, Bestellungen auszuführen – noch nie zuvor wurden Supply Chains so stark auf den Prüfstand gestellt. Auch Stephan Schiller, Geschäftsführer Hermes Europe und CEO Hermes International, ist überzeugt, dass die Corona-Krise eine maximale Disruption für das globale Supply Chain Management darstellt.

Lieferantenbeziehungen bewerten – und optimieren

Um diese Disruption bestmöglich zu skalieren und bei Lieferengpässen schnell auf Alternativen zurückgreifen zu können, gewinnt für Logistikentscheider die Bewertung der Lieferantenperformance an Relevanz. Doch während einige Unternehmen Lieferantenbewertungen schon lange regelmäßig als Teil des betrieblichen Lieferantenmanagements und der Qualitätssicherung durchführen, hat die Corona-Krise anderen erst jetzt die Augen für dieses wichtige Thema geöffnet.

Vorteile einer Lieferantenbewertung

Ob es um die Einschätzung bestehender Partner oder die Suche nach Alternativen geht: Eine regelmäßige Lieferantenbewertung ist für Unternehmen eine gute Gelegenheit, das eigene Lieferanten-Ökossystem nach  festgelegten Benchmarks zu bewerten – und die Ergebnisse im besten Fall auch den jeweils bewerteten Partnern mitzuteilen, um die bestehende Beziehung wahlweise zu stärken oder fair zu beenden.

Wer die Performance seiner Lieferanten untersuchen möchte, kann auf verschiedene Ansätze zurückgreifen. In der Logistik haben sich vor allem die Punkt-Bewertung (auch Scoring-Modell genannt), die Profilanalyse und die Preisstrukturanalyse bewährt. Für welches dieser drei Modelle sich ein Unternehmen entscheidet, ist stark von eigenen Zielsetzungen abhängig.

  1. Die Punkt-Bewertung (Scoring)

Wer eine Bewertung seiner Lieferanten nach der Punkt-Methode durchführt, misst deren Leistung anhand von Schulnoten oder einem anderen Punktesystem. Anschließend erfolgt eine Gewichtung der einzelnen Kategorien – je nachdem, welche Relevanz das Thema für die Geschäftsstrategie und den Erfolg des bewertenden Unternehmens hat. Der Vorteil: Durch die Gewichtungsfaktoren erhalten Logistikentscheider einen konstruktiven Überblick, der sich stark an den inviduellen Bedürfnissen des eigenen Unternehmens orientiert.

  1. Die Profilanalyse

 Bei der Profilanalyse geht es vor allem darum, einen möglichst guten Überblick zu bekommen, welche (potenziellen) Lieferanten die eigenen Anforderungen überhaupt erfüllen und als Partner in Frage kommen. Dazu werden Leistungsprofile von Lieferanten nebeneinandergestellt und verglichen. Eine Gewichtung erfolgt nicht, dennoch werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Lieferanten klar sichtbar.

Um die Profilanalyse möglichst gewinnbringend nutzen zu können, sollten sich Logistikentscheider bereits im Vorfeld mit der Frage auseinandersetzen, was das eigene Unternehmen erreichen möchte. So können mögliche Partner passgenau ausgewählt bzw. gute Beziehungen intensiviert werden.

  1. Die Preisstrukturanalyse

Mit Hilfe einer Preisstrukturanalyse sind Logistikentscheider imstande, sich intensiv mit dem Preis-Leistungsverhältnis bestehender oder potenzieller Partner auseinanderzusetzen. Einzelne Kostenarten, aus denen sich die Preise bzw. Angebote von Lieferanten zusammensetzen, werden aufgeschlüsselt. Angebote können so anhand objektiver Kriterien sehr gut verglichen werden.

Die Wahl der jeweiligen Methode sollte Experten zufolge vor allem von der Rolle abhängen, die ein Lieferant übernimmt.  Wie wichtig sind dessen Produkte bzw. Leistungen für den Gesamterfolg des eigenen Unternehmens?

Geht es um einen groben Überblick über die Lieferantenperformance, kann eine Preisstrukturanalyse diesen gut verschaffen. Soll vielmehr Qualität als Quantität bewertet werden, macht es Sinn mit dem Scoring Modell in die Tiefe zu gehen.

Fazit: Informationsqualität und Zielsetzung ausschlaggebend

Unabhängig davon, welche Methode ein Unternehmen letztlich wählt: Die Grundlage für eine Lieferantenbewertung sollte stets eine umfangreiche Informationsrecherche bilden. Denn diese Informationen werden als messbare Kriterien abgebildet, anhand derer sich die Leistung eines Lieferanten in einem bestimmten Bereich möglichst objektiv bewerten lässt

Eine Checkliste für die Lieferantenbewertung bietet zum Beispiel der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)

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