Projektlogistik: Eine Antonov für zwei Schwergewichte

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Bild: Hermes International

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Der Logistikspezialist Hermes International realisiert eine Vielzahl anspruchsvoller Transporte, doch eines der jüngsten Projekte war auch für die Logistikspezialisten etwas Besonderes: Für einen international führenden Maschinenhersteller transportierte das Hamburger Unternehmen zwei Turbokompressoren von Köln/Bonn nach Shanghai Pudong – mit einer eigens gecharterten Antonov An-124: Ein Transport der Superlative.

Wir sprachen mit Eleftherios Trygousis, Projektleiter und Commercial Sales Coordinator bei Hermes International, über dieses besondere Projekt und die Herausforderungen bei der Projektlogistik.

Herr Trygousis, Sie waren Projektverantwortlicher. Wie lautete der Kundenauftrag?

Unser Auftrag war es, zwei Turbokompressoren mit einem Gesamtgewicht von über 70 Tonnen von Köln/Bonn nach Shanghai Pudong zu transportieren. Der Zeitplan war ambitioniert: Von der ersten Anfrage bis zur Auslieferung an den chinesischen Endkunden vergingen nur knapp acht Wochen.

Können Sie uns das detaillierter beschreiben?

Hermes International

Projektleiter Trygousis bespricht mit einem Mitarbeiter die finale Einsatzplanung.

Gerne. Ein traditionsreicher Maschinenhersteller aus NRW Stand vor der Herausforderung, zwei seiner Turbokompressoren nach China zu transportieren. Das Zeitfenster bis zur Auslieferung an den chinesischen Kunden war jedoch eng. Mit den Abmessungen von 6 x 3 x 3,5 Metern konnten die Kompressoren darüber hinaus nicht mit einem Linienflug transportiert werden. Zum Vergleich: Standardluftfrachten sind im Regelfall maximal 1,6 m hoch. Auch das extreme Gewicht von 31 sowie 41 Tonnen schlossen eine Standardluftbeförderung aus. Es war also von vorneherein klar, dass dies ein außergewöhnliches Projekt werden würde.

 Wie sind Sie bei der Planung vorgegangen?

In einem ersten Schritt haben wir die Verladebarkeit geprüft. Der ursprüngliche Projektplan sah vor, die Fracht auf See zu befördern. Schnell war jedoch klar, dass der Transport über den Seeweg in der zur Verfügung stehenden Zeit keine Option sein würde. Um die Fracht in-Time zuzustellen, entschieden wir uns, trotz der genannten Schwierigkeiten, für den Transport per Luftfracht.

Das klingt nach einer Herausforderung…

Uns war sofort bewusst, dass eine Standardlösung hier nicht greift. Es galt daher, ein Flugzeug zu finden, dass mit dem hohen Gewicht bei gleichzeitig kleiner Fläche zurechtkommt. Schnell war klar, dass hierfür nur eine Antonov An-124 in Frage kommt: Das zweitgrößte Frachtflugzeug der Welt ist bei solchen Extremtransporten alternativlos.

Hatten Sie neben der Organisation des Lufttransportes noch weitere Aufgaben?

In der Tat. Neben dem Chartern der Maschine galt es noch zahlreiche weitere Faktoren zu kalkulieren und zu planen: So musste aufgrund der punktuellen Belastung im Flugzeug für jeden Kompressor ein 6 m langer Transportrahmen (eine Schwerlastpalette) angefertigt werden, um das Gewicht im Flieger besser zu verteilen. Die Erledigung der Zollformalitäten gehörten darüber hinaus ebenso zu unserem Aufgabengebiet wie der Vorlauf per LKW. Schlussendlich mussten wir noch spezielle Kräne für die Verladung der schwergewichtigen Fracht organisieren und die Slots für die Antonov buchen.

Gab es trotz präziser Planung unvorhersehbare Zwischenfälle?

Die gab es, ja. Da das Vorfeld nachts anderweitig genutzt wird, hatte der Flughafen uns die Verladeerlaubnis lediglich bis 22 Uhr erteilt. Eine planmäßige Verladung war also zwingend notwendig, weswegen wir den Transport per LKW zum Vorfeld minutiös planten und bereits vorab die Verladebarkeit am Flughafen gewährleisteten. Doch dann zog ein Unwetter auf, was uns zu einer zweistündigen Unterbrechung der Verladung zwang. Dank unseres eingespielten Teams und der präzisen Koordination konnten wir den gesamten Vorlauf trotzdem in lediglich 9 Stunden realisieren und die Kompressoren pünktlich ihren Weg nach China antreten. Unser Kunde und auch wir selbst sind mit dem Projektverlauf extrem zufrieden.

Welche Learnings konnten Sie für künftige Projekte mitnehmen?

Selbstverständlich nehmen wir aus jedem Projekt neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit. In diesem konkreten Fall war es wieder sehr hilfreich, sich auf ein gut eingespieltes und kompetentes Team verlassen zu können. Gerade bei dem engen Zeitplan ist es nicht selbstverständlich, dass die Kommunikation so reibungslos verlief, wie es hier der Fall war. Da konnten wir die Früchte vorangegangener Projekte ernten.

Darüber hinaus konnten wir das notwendige Netzwerk für Chartertransporte langfristig stärken. So standen uns die unabhängigen, auf die verladende Wirtschaft spezialisierten Berater der Firma Locon Consult GmbH & Co. KG unter der Geschäftsführung von Simone Korn und Wilfried Müller für den aktuellen Kundenauftrag beratend und organisatorisch zur Seite. Auch die Zusammenarbeit mit der transportierenden Volga-Dnepr Airline hat sehr gut funktioniert.

Was war die größte Herausforderung oder Besonderheit?

Das enorme Gewicht und die Abmessungen der Fracht sowie die relativ kurze Vorbereitungszeit waren, wie gesagt, schon eine Herausforderung. Aber mit Erfahrung und präziser Planung haben wir diese erfolgreich angenommen.

Darüber hinaus ist es selbst für uns, deren Alltagsgeschäft die Logistik von Gütern ist, außergewöhnlich, die zweitgrößte Frachtmaschine der Welt zu chartern. Die Antonov ist schon imposant. So war auch der Kunde selbst bei der Verladung vor Ort, um das Geschehen zu verfolgen. Das Projekt wird sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

Herr Trygousis, vielen Dank für das Gespräch.


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