Jahresausblick 2020: „Ein Jahr voller Veränderungen“

Interview Schiller Logistik 2020

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24 Pakete bekommt jeder Deutsche pro Jahr, mehr als jeder andere Europäer. Immer häufiger stammen die Waren dabei auch aus dem außereuropäischen Ausland. Die Logistik profitiert von dem anhaltenden Aufschwung, steht aber angesichts globaler Lieferketten und dem Wunsch der Kunden nach grünen Lösungen vor großen Herausforderungen. Wir sprachen mit Stephan Schiller, CEO von Hermes International, einem Geschäftsbereich von Hermes Germany, über das Spannungsfeld von Losgröße 1 und grüner Logistik, eine gelungene Cross-Border Logistik und die Pläne für das Jahr 2020.

Herr Schiller, durch die Kooperation mit SEKO Logistics konnten Sie Ihr Profil als kompetenter Partner in den Bereichen Cross-Border E-Commerce, SCM und Endkundenlogistik im vergangenen Jahr noch weiter stärken. Welchen Fokus setzen Sie im Jahr 2020? Welche Pläne bzw. Ziele haben Sie?

Es liegt ein Jahr mit zahlreichen Veränderungen hinter und ein Jahr voller Veränderungen vor uns. Die Sicherstellung unserer Anpassungsfähigkeit entlang der Wünsche unserer Zielkunden steht vor dem Hintergrund klar im Fokus.

Durch die enge Partnerschaft mit SEKO haben wir unseren globalen Footprint in der Tat deutlich verstärkt, dies gilt es, in 2020 zu skalieren. Im Bereich des Supply Chain Managements haben wir uns ein noch stärker gesteuertes Wachstum mit unseren Zielkunden vorgenommen. Dabei sollen zunehmend auch neue Technologien zum Einsatz kommen. Wir sehen uns in diesen Bereichen gut aufgestellt und blicken positiv auf die vor uns liegenden Aufgaben.

Unternehmen sehen sich mit einem wachsenden Optimierungsdruck auf ihre Supply Chain konfrontiert. Lieferketten werden zeitgleich jedoch immer komplexer. Wie können sich Unternehmen auf die wachsenden Herausforderungen vorbereiten bzw. diese erfolgreich bewältigen?

Stephan Schiller, Geschäftsführer Hermes Europe, CEO Hermes International
Stephan Schiller, Geschäftsführer Hermes Europe und CEO Hermes International.

Hier gibt es keine Standartantwort. Aus meiner Perspektive sind jedoch klare Trends zu erkennen: Kunden möchten zunehmend auf sogenannter ‚near real time‘-Basis über den Status ihrer Waren informiert sein. Daten und die aktive Nutzung dieser spielen hier eine immer größere Rolle. Dabei geht es nicht nur darum, den Status quo im Blick zu haben, auch die Präzisierung von Vorhersagen, zum Beispiel zur Optimierung von Lagerkapazitäten, steht zunehmend im Interesse der Unternehmen.

Weiterhin sehen wir großes Potential in der Beratung von Kunden in Bezug auf Zollverfahren und Vorschriften. In Zeiten von Handelsbeschränkungen und dem Brexit gewinnt detailliertes Know-how hier klar an Bedeutung. Das gilt sowohl für klassische Fracht- als auch für cross-border Paket-Themen.

Darüber hinaus übernimmt aktuell eine jüngere Generation von Entscheidern die Verantwortung in wichtigen Bereichen der Supply Chain. Sie wollen in einem anderen Rahmen mit Logistikern interagieren, auch hier spielen neue Technologien eine wachsende Rolle.

Durch die wachsende Popularität von Online-Marktplätzen, internationalisieren immer mehr Unternehmen ihr Geschäft. Welche Variablen sind in diesem Zusammenhang erfolgsentscheidend für eine effiziente Cross-Border Logistik? Wie unterstützt Hermes International seine Kunden?

Wir haben uns für einen modularen Ansatz entschieden. Das heißt, wir bieten unseren Kunden eine komplette Supply Chain-Lösung an oder einzelne Cross-Border-Paketstrecken, analog zu den einzelnen Prozessschritten. Ein Kunde muss somit nicht zwingend sein Paket von uns abholen, verfliegen, verzollen, transportieren, sortieren und zustellen lassen – wir stellen für unsere Kunden individuelle Lösungen zusammen.

Dieser modulare Ansatz eröffnet uns die Möglichkeit, verschiedene Kunden zu unterstützen: angefangen beim Produzenten, über den Händler oder die Plattform, bis zum Konsolidierer und Logistiker.

Durch die Fridays for Future-Bewegung gewinnen grüne Themen aktuell wieder stark an Bedeutung. Doch wie passt die Nachfrage immer kleinerer Losgrößen, bis hin zu Losgröße eins und der Wunsch nach grüner Logistik zusammen? Welche Lösungsansätze verfolgt Hermes International, um diese Spannungen zu minimieren?

Wir sind nicht nur Mitglied der Clean Cargo Working Group, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Umweltbelastung der Containerschifffahrt zu reduzieren, als ein Unternehmen der Otto Gruppe ist uns dieses Thema schon seit Jahren eine Herzensangelegenheit. Zusammen mit den Händlern der Otto Gruppe haben wir zum Beispiel das CO2-Aufkommen in der Beschaffungslogistik seit 2006 um fast 50% proportional reduziert. Wir können automatisiert den CO2-Ausstoß auf Einzelartikel-Ebene messen, um im ersten Schritt die notwendige Transparenz herzustellen. Aber wir sind erst am Anfang eines notwendigen Prozesses, welcher nicht ganz widerspruchslos zwischen eigenem Konsumanspruch und dem Anspruch an die Logistik ist.

Im vergangenen Jahr haben Sie mit Sorge auf die Abschottungstendenzen einiger Volkswirtschaften geschaut. Der lange sehr unsichere Brexit war in der Branche ein viel diskutiertes Thema. Welche Herausforderungen sehen Sie im neuen Jahr auf sich zukommen? 

An diesen Tendenzen hat sich leider nichts geändert. Der Brexit ist jetzt so gut wie sicher und auch die globale Perspektive bleibt ebenfalls herausfordernd.

Ich hoffe, dass nachhaltiges Wirtschaften weiter in den Fokus rückt, sehe aber mit Sorge, dass diese Diskussion zunehmend eingeschränkt geführt wird. Wir als Hermes International stellen uns diesem Thema bereits seit Langem. Ich denke jedoch, es geht nicht allein: Alle beteiligten Stakeholder sind gemeinsam gefordert, ihren Beitrag zu leisten: Angefangen beim Konsumenten, über den Produzenten bis hin zum Logistiker.

Herr Schiller, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen für das Jahr 2020 alles Gute.

 

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