Logistik 4.0: Neue Technologien im SCM implementieren

Logistik 4.0 Technologien

Unsplash/Nilantha Ilangamuwa

Ob Big Data oder Blockchain: Neue Technologien erobern zunehmend die Logistik und verändern sie von Grund auf. Die Corona-Krise verstärkt den Druck auf Unternehmen, sich digital aufzustellen. Doch welche Technologie bietet einen wirklichen Mehrwert für die eigenen Prozesse? In welche Innovationen sollte das eigene Unternehmen investieren, um die Zukunftsfähigkeit zu sichern? Und wie lässt sich ein derart komplexes Projekt starten? Wir geben Anregungen.

Logistikentscheider haben es 2020 nicht leicht. Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie stehen sie mit ihren globalen Lieferketten vor riesigen und dringlichen Herausforderungen. Gleichzeitig gehört es generell zu ihren Aufgaben, stets auch die Zukunft des Unternehmens in den Blick zu nehmen. Je digitalisierter die Branche wird, desto gefährlicher kann es für Unternehmen sein, sich nicht mit der eigenen digitalen Zukunft auseinanderzusetzen. Denn wer das Potential neuer Technologien für das eigene Unternehmen nicht rechtzeitig identifiziert, riskiert langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit.

Ziele definieren, Mehrwert benennen

Es mag banal klingen, aber Logistikentscheider, die über die Adoption einer neuen Technologie nachdenken, sollten erst einmal genau wissen, was sie damit für das Unternehmen erreichen möchten. Selbst wenn der Weg noch nicht klar ist – das Ziel sollte es sein.

Zu Beginn eines jeden Entscheidungsprozesses steht daher eine genaue Bestandsaufnahme: Was sind unsere Kernkompetenzen? Wo stehen wir am Markt? Wie zukunftsfähig ist das jetzige Geschäftsmodell im Kontext der sich verändernden Branche? Ist der Ist-Zustand klar benannt, sollten Entscheider einen Zielzustand definieren.

Der Mehrwert, den sich das Unternehmen von der Einführung der neuen Technologie verspricht, sollte konkret benannt werden. Geht es grundsätzlich um die Steigerung der Effizienz? Die Optimierung einzelner Geschäftsbereiche oder um die Transformation des gesamten Unternehmens? Die Annahme, durch die digitale Transformation selbst ein Wertschöpfungspotential zu schaffen, ist dabei selten zielführend. Die Wahl des neuen Technologiepfades sollte stets geprüft und der Zielzustand definiert werden, um das Projekt nicht zu gefährden und die Kosten im Blick zu halten.

Gap-Analyse: Passende Technologien finden

Was nun folgt, ist die sogenannte Gap-Analyse: Auf der einen Seite steht das Unternehmen im Ist-Zustand, auf der anderen Seite der Soll- und somit der Ziel-Zustand. Nun gilt es, die Technologie zu identifizieren, mit der Sie die Lücke zwischen Ist und Soll schließen können: Sie möchten Ihre Pharma-Supplychain manipulationssicher aufstellen? Dann könnte die Nutzung der Blockchain-Technologie das Mittel der Wahl sein. Sie möchten Ihre Forecastings präziser gestalten? Dann wäre eventuell der Einsatz von Big Data eine interessante Lösung. Für die Verbesserung des Trackings könnte hingegen die Einführung von RFID-Tags oder aber eine IoT-Lösung ein effizienter Weg sein. Eine weitere wichtige Frage, die vor allem die Technologie selbst betrifft, ist diejenige nach dem jeweiligen Technologie-Reifegrad.

Technology Readiness Level – Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis

Der Technology Readiness Level (TRL) beschreibt die Einsatzfähigkeit einer Technologie und wird allgemein zur Bewertung von Zukunftstechnologien genutzt. Denn längst nicht alle Technologien, mit denen sich die Logistikbranche aktuell auseinandersetzt, haben bereits ein ausreichendes TRL erreicht.

Die Diskrepanz zwischen theoretischen Möglichkeiten und tatsächlicher Umsetzung lässt sich am Beispiel der medial viel diskutierten, aber verhältnismäßig wenig genutzten Blockchain illustrieren: Momentan befinden sich Blockchain-Anwendungen mit Relevanz für das SCM größtenteils noch in der Entwicklungs- und Testphase. Ein Unternehmen, das den Einsatz der Blockchain-Technologie plant, wäre zum jetzigen Zeitpunkt daher selbst aktiv an der Entwicklung und Praxiserprobung beteiligt. Dies kann mit zusätzlichen Kosten verbunden sein, da seltener „fertige Lösungen“ von externen Anbietern angeboten werden.

Status quo des eigenen Unternehmens ermitteln

Vor der konkreten Einführung der gewählten Technologie sollten Entscheider prüfen, ob das eigene Unternehmen bereits auf dem technischen Stand ist, die Technologie mit seinen bestehenden Systemen zu verknüpfen. Ist dies nicht der Fall, sollte genauestens geprüft werden, welche Vorbereitungen notwendig sind. Nur so können Unternehmen das Gesamtbild des technischen und finanziellen Aufwands ermitteln.

Dabei sollten Entscheider auch bedenken, dass die Transformation durch begleitende Maßnahmen flankiert werden müssen: Schulungen für die Mitarbeiter, die Einführung neuer Prozesse oder Strukturen etc.  

Fazit

So komplex das individuelle Analysieren und die mögliche Einführung neuer, eventuell sogar disruptiver Technologien sein mögen: Eine gezielte Auseinandersetzung ist essentiell für zukunftsfähiges unternehmerisches Handeln. Nur wenn der Gesamtaufwand der Einführung und des Betriebs einer neuen Technologie in den Blick genommen wird, kann sinnvoll abgewägt werden, ob das Unternehmen bereit für die neue Technologie und die damit verbundenen Auswirkungen, Risiken und Kosten ist.

Logistikentscheider sind vor die Aufgabe gestellt, regelmäßig das Potential neuer Technologien für das eigene Unternehmen und die Unternehmensentwicklung zu prüfen, um den richtigen Zeitpunkt für Investitionen nicht zu verpassen.

ÄHNLICHE BEITRÄGE

Scroll Up