Nach dem Lock-Down: Das sind die Herausforderungen für Ihre Lieferkette

SCM Corona

Unsplash/Arturo Rey

Nachdem die Beschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert und die Produktion in Ländern wie China wieder angefahren wurden, stellen sich Logistikentscheider die Frage, wie sie ihre Lieferketten kostenschonend wieder hochfahren können. Eine neue Umfrage hat die größten Herausforderungen identifiziert.

Die Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Fertigung (AFW) hat in Kooperation mit der Unternehmensberatung Abels & Kemmner 250 Entscheider aus den Bereichen SCM, Logistik, Produktion sowie Einkauf und Arbeitsvorbereitung zu den Herausforderungen auf dem Weg aus der Krise befragt. Die Herausforderungen bei der Reaktivierung von Supply Chains sind demnach:

  • Schwankende Nachfrage

Aktuell geht die breite Mehrheit der Befragten (91 Prozent) davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Wochen stark schwankend und unsicher sein wird.

  • Unsichere Materialversorgung

Während lediglich zwei Prozent der Befragten der Meinung sind, dass gar keine Materialversorgungsprobleme auftreten werden, gehen knapp acht von zehn Teilnehmern (77 Prozent) davon aus, dass auch die Materialversorgung in den nächsten Wochen schwankend und unsicher sein wird.

  • Beschaffungsschwierigkeiten

Neben den erwarteten Problemen bei der Materialversorgung erwarten 81 Prozent der Umfrageteilnehmer Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen, Zukaufteilen oder Verpackungsmaterialien. Lediglich eine deutliche Minderheit erwartet eher (17 Prozent) oder gar keine (2 Prozent) Beschaffungsprobleme.

  • Verändertes Bestandsmanagement

Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) erwartet, dass die Lagerbestände in den kommenden Wochen zu Gunsten der Kapitalbindung zurückgehen werden. Bei einer gesteigerten Nachfrage stehen Unternehmen in der Folge vor der Herausforderung, ihre Bestände wieder schnell anpassen zu müssen.

  • Insolvenzen der Lieferkettenpartner

Bei der Frage, ob es zu Versorgungsproblemen durch die Insolvenz der eigenen Lieferkettenpartner kommen wird, ist das Stimmungsbild etwas differenzierter: 22 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass es zu Versorgungsengpässen durch Insolvenzen kommen wird. 42 Prozent sind sich dessen relativ sicher, während knapp ein Drittel (31 Prozent) der Befragten dies eher nicht erwarten. Nur 5 Prozent der Entscheider gehen davon aus, dass es keine Versorgungsprobleme durch die Insolvenz der eigenen Lieferkettenpartner geben wird.

  • Transport

Acht von zehn Befragten sind darüber hinaus überzeugt, dass die Transportkapazitäten zwischen Europa, den USA und Fernost in den kommenden Wochen nicht nur knapp, sondern auch teuer bleiben werden.

Digitalisierte Unternehmen im Vorteil

Doch wie können Unternehmen die genannten Herausforderungen erfolgreich meistern? Die derzeitige, nie dagewesene Situation erfordert von allen Akteuren entlang der Lieferkette ein hohes Maß an Flexibilität, Kreativität sowie die Möglichkeit, sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

Eine jüngst veröffentlichte PwC-Studie hat gezeigt, dass digitalisierte Unternehmen agiler und reaktionsschneller auf disruptive Veränderungen der Supply Chain, wie die aktuelle Corona-Pandemie, reagieren können.

Bullwhip-Effekt vermeiden

Grundsätzlich sollten Unternehmen versuchen, sich auf eine schwankende Nachfrage sowie eine unsichere Versorgungslage einzustellen. Wichtig ist es jedoch, die Gefahr des Bullwhip-Effektes durch eine enge Kooperation mit den Lieferkettenpartnern sowie ein transparentes und bedarfsorientiertes Supply Chain Management zu minimieren. Beim Bullwhip-Effekt peitschen sich die Nachfrageschwankungen so stark auf, dass es zu Überbeständen und einer Überproduktion kommen kann. Besonders mehrstufige Lieferketten sind von diesem Phänomen betroffen, wobei sich die Schwankungen mit zunehmendem Abstand des Akteurs zum Endkunden weiter erhöhen.

Herausforderungen besonnen meistern

Entscheider sollten daher strategisch und besonnen vorgehen. Die Unsicherheiten in Bezug auf Materialversorgung, Beschaffungsschwierigkeiten sowie gesunkenen Transportkapazitäten betreffen derzeit grundsätzlich alle Branchen und Unternehmen – also auch Wettbewerber. Aktionismus ist daher fehl am Platz und könnte zur Verschlechterung der unternehmerischen Performance führen.

Es ist vielmehr eine zentrale und konsistente Bedarfsplanung gefragt, die die vorhandenen Ressourcen schonen und das Risiko von Mehrausgaben minimieren kann. Priorität sollte in diesem Zusammenhang die transparente Kommunikation aller beteiligten Akteure haben. Nur so können Nachfrage, Bedarf sowie Kapazitäten aufgezeigt und die entsprechenden Prozesse angestoßen werden.

 

Die Ergebnisse der Umfrage „Die neuen Normalitäten im Supply Chain Management nach Corona“ können Sie kostenfrei hier einsehen.

 

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