Home Unternehmen Die Blockchain in der Lieferkette
blockchain lieferkette

Die Blockchain in der Lieferkette

von Redaktion

Im Jahr 2018 prognostizierte das Capgemini Research Institute die Massentauglichkeit der Blockchain – bis 2025 würden Lieferketten weltweit mit der komplexen Technologie gemanagt, hieß es. Doch obwohl sich die Anwendungsbeispiele mehren, nutzt erst eine kleine Minderheit der Unternehmen die als manipulationssicher angepriesene Technologie. Wir geben Ihnen einen Einblick in die Funktionsweise der Blockchain, Anwendungsbeispiele in der Logistik und zeigen Ihnen Alternativen zur sicheren Vernetzung mit Ihren Lieferkettenpartnern.

 

Wie funktioniert die Blockchain?

Um den Mehrwert der Blockchain für die eigene Lieferkette identifizieren zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie eine Blockchain grundsätzlich funktioniert: Im Grunde handelt es sich um eine Datenbank, welche durch ein alle Datensätze miteinander verbindendes Verfahren gegen eine nachträgliche Manipulation absichert.

Die Technologie ist wie ein offen einsehbares Buch von Transaktionen. Aktivitäten werden zu Blöcken zusammengefasst und an andere Transaktions-Blöcke (Block) gekoppelt werden, wodurch schließlich eine Kette (Chain) entsteht. Die „Transaktionskette“ wird verschlüsselt und dezentral auf allen an der Blockchain beteiligten Rechnern hinterlegt. So werden beispielsweise Lieferanteninformationen direkt mit Lieferdaten, Warenbestand sowie Finanzinformationen verknüpft. Produktion, Handel, Logistikdienstleister und Banken können in ein gemeinsames Netzwerk integriert werden und dort alle Daten einer Transaktion einsehen. Durch diese „Verkettung“ findet nicht nur eine Verifizierung der Daten statt, das Verfahren macht darüber hinaus eine nachträgliche Manipulation nahezu unmöglich.

Weitere Beiträge

Die Supply Chain als Anwendungsbereich für die Blockchain

Nach Meinung zahlreicher Experten bietet die Blockchain-Technologie daher ein hohes Potential für Wirtschaftsbereiche, in denen eine sichere Übermittlung von Daten und Informationen gefordert ist – wie zum Beispiel dem Supply Chain Management. Hier findet die Wertschöpfung zunehmend unternehmensübergreifend statt: Der Materialfluss wird über verschiedene Schnittstellen durch „Transparenz in der Supply Chain“, einer Umfrage unter 200 Logistikverantwortlichen deutscher Unternehmen.

Vorteile der Blockchain für die Lieferkette

Die Lieferketten werden immer komplexer, umspannen häufig den gesamten Globus und involvieren zahlreiche Partner: Hersteller, Verlader, Spediteure, Lieferanten und Kunden. Der vertrauensvolle Austausch von Daten ist in der Praxis schwierig, da häufig verschiedene IT-Systeme genutzt werden und unterschiedliche Sicherheitsstandards gelten.

Eine gemeinsame Kommunikationsarchitektur auf Basis der Blockchain kann die Abläufe erleichtern. Eine komplett eigene und individuelle Blockchain-Lösung ist jedoch nur mit einem enormen Implementationsaufwand und einem sehr hohen Digitalisierungsgrad möglich. Um unabhängig von den eigenen, internen IT-Systemen von der Technologie zu profitieren eignen sich Blockchain-Plattformen. Sie können die administrativen Prozesse verschlanken. Denn in der Regel sind Blockchain-Plattformen weltweit zugänglich und ermöglichen es allen Beteiligten einer Wertschöpfungskette –– sich miteinander zu vernetzen und Daten in einem sicheren Umfeld auszutauschen. Damit die Partner nur die für sie relevanten Informationen erhalten, lassen sich eingepflegte Daten auch selektiv bereitstellen.

Die Vorteile einer Blockchain-Plattform-Lösung:

  • Aufbau einer sicheren, unternehmensübergreifenden Kommunikationsarchitektur
  • Teilen von Daten, unabhängig von unternehmenseigenen IT-Systemen
  • Selektiver Zugriff auf Daten
  • Erhöhte Transparenz in der Lieferkette
  • Weltweiter Zugriff in Echtzeit
  • Manipulationssicherheit

Anwendungsbeispiele für die Blockchain in der Lieferkette

Die Blockchain eignet sich grundsätzlich für alle Bereiche der Logistik und einige Branchen haben trotz des Aufwands mit der Etablierung individueller Blockchain-Anwendungen begonnen. So gibt es Anwendungsbeispiele für die Verbesserung der Nachverfolgbarkeit der Lieferkette in der Fischproduktion, die transparente Rückverfolgung von Biobaumwolle oder die Sicherung der Pharmalieferkette gegen Medikamentenfälschungen.

Best Practice: Die Blockchain in der Seefracht

Ein recht prominentes, weil erfolgreiches Beispiel ist darüber hinaus das Joint Venture des Softwareherstellers IBM mit der dänischen Reederei Maersk. Die von ihnen auf Blockchain-Basis entwickelte Informationsplattform für die Seefracht namens Tradelens ist bereits erfolgreich im Einsatz und gilt inzwischen als Paradebeispiel für die Anwendung der Blockchain in der Lieferkette.

Auf der Blockchain-basierten Plattform können Dokumente wie zum Beispiel Frachtbriefe, Versanddaten und Zollunterlagen hinterlegt werden. Beteiligte Handelspartner wie etwa Reedereien, Terminalbetreiber oder Zollbehörden haben in Echtzeit Zugriff auf die Informationen und können darüber hinaus auch die cloudbasierte SCM-Plattformen beispielsweise ebenfalls die Möglichkeit der transparenten Vernetzung aller involvierter Lieferkettenakteure – losgelöst von den unternehmenseignen IT-Strukturen. Besonders sensible Unternehmensdaten können darüber hinaus durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und definierte Berechtigungskonzepte gegen den Zugriff Unbefugter abgesichert werden. Auch die Nutzung von ERP-Clouds kann die Vernetzung der Lieferkettenpartner weiter vorantreiben.

Die hohe Komplexität der Technologie und der erforderliche Digitalisierungsgrad erschweren die Implementation der Blockchain in der Lieferkette. Darüber hinaus gibt es effektive Alternativen, die eine Kooperation und die daraus folgende Transparenz mit wesentlich weniger Aufwand ermöglichen. Ob die von Capgemini prognostizierte massenhafte Verbreitung wirklich stattfinden wird, ist vor diesem Hintergrund fraglich.

Ähnliche Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

* Wenn Sie dieses Formular nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.