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Digitalisierung in der Beschaffung: Risk Management wird zum Treiber

von Editorial Office

Auf der Liste der wichtigsten Digitalisierungstreiber in der Sparte Einkauf und Beschaffung erreicht das Krisen-und Risikomanagement einen der vorderen Plätze. Das geht aus der aktuellen Studie „Digital Procurement Survey 2022“ des Beratungsunternehmens PwC hervor, für die 800 Einkaufsverantwortlichen aus 64 Ländern befragt wurden. Nach einem Abflauen während der Corona-Pandemie ist die digitale Transformation insgesamt wieder im Aufwind – bis 2025 streben die Einkaufsabteilungen einen Digitalisierungsgrad von 72 Prozent an. Wichtige Ziele sind neben dem Risikomanagement auch Effizienz, Lieferkettentransparenz und das Tracking der CO2-Emissionen.

Hohe Digitalisierungsbestrebungen in DACH-Region

Die digitale Transformation ist für die Verantwortlichen aus Einkauf und Beschaffung weltweit eines der wichtigsten Strategieziele. Mit 18 Prozent liegt sie laut der Studie an dritter Stelle – nach dem klassischen Fokus auf Kostenreduzierung (37 Prozent) und dem strategischen Einkauf (24 Prozent). Bei der Ausprägung der Digitalisierungsbestrebungen nimmt die DACH-Region eine besondere Rolle ein. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die digitale Transformation mit 21 Prozent der Spitzenreiter unter den strategischen Hauptzielen.  Die Reduzierung von Kosten hat dagegen mit 19 Prozent im globalen Vergleich eine geringere Bedeutung.

Haupttreiber der Digitalisierung: Prozesseffizienz, Transparenz und Fairness

Als Haupttreiber der Digitalisierung im Einkauf sehen sechs von zehn der Befragten (59 Prozent) Prozesseffizienz und Rationalisierung von Abläufen. Mit 57 Prozent stehen Prozesstransparenz, Rückverfolgbarkeit und faire Bedingungen in den Lieferantenbeziehungen an zweiter Stelle. Der Wunsch nach Kostenreduzierung gibt mit 47 Prozent knapp die Hälfte der Befragten als Digitalisierungstreiber an.

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Risikomanagement als Digitalisierungsziel

Während der Corona-Pandemie haben digitale Abläufe ihren Mehrwert deutlich bewiesen. Besonders für die Kontinuität der Geschäftsprozesse war ein hoher Digitalisierungsgrad von entscheidender Bedeutung. Dementsprechend ist auch die digitale Transformation verstärkt durch das Risiko- und Krisenmanagement motiviert und rückt auf Platz 4 hinter die klassischen Digitalisierungsziele Prozesseffizienz, Prozesstransparenz und Kostenreduktion. Weltweit gibt fast jede*r fünfte Verantwortliche diesen Faktor als bedeutendsten Digitalisierungstreiber im Bereich Einkauf und Beschaffung an.

Als vorrangiges Strategieziel führen das Krisen- und Risikomanagement weltweit zwar lediglich 12 Prozent der Befragten an, auch hier hebt sich die DACH-Region jedoch deutlich ab: Gut ein Drittel der dortigen Verantwortlichen

sehen darin ihre strategische Priorität und nennen die Umstellung bestehender Prozesse als wichtigsten Erfolgsfaktor.

Investitionsziele im Bereich Digitalisierung bis 2025

Die Einkaufsabteilungen streben bis 2025 einen Digitalisierungsgrad von 72 Prozent an – derzeit liegt der Wert bei 41 Prozent. Besonders mittelständische Unternehmen haben ihren Nachholbedarf erkannt und geben an, ihre Investitionen gegenüber 2020 um 50 Prozent erhöhen zu wollen.

Als konkrete Investitionsziele nennen 40 Prozent der Befragten Datenanalyse und Visualisierung. Ein Drittel (31 Prozent) plant in eine verbesserte Rückverfolgbarkeit der Lieferkette zu investieren – das entspricht gegenüber 2019 einer Erhöhung von sieben Prozentpunkten. Die Optimierung des Risikomanagements erreicht 22 Prozent, fast ein Viertel sieht hier steigenden Investitionsbedarf. Die intelligente Beschaffung und Verlagerung der Beschaffung ist für 15 Prozent der Unternehmen ein Investitionsziel der digitalen Transformation.

CO-Tracking: Transport und Logistik zählen zu Hauptnutzern

Erheblich an Bedeutung gewonnen hat laut der Studie die digitalisierte Erfassung von CO2-Emissionen von Lieferanten. Mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) verfolgt die CO2-Emissionen seiner Zulieferbetriebe oder testet entsprechende Trackinglösungen. Ein Drittel der Befragten gibt an, die Umstellung in absehbarer Zeit anzustreben, aber noch nicht über die geeigneten Tools zu verfügen. Hier stehen viele Unternehmen noch am Anfang ihres Engagements.

Unter den Top 5-Branchen, in denen Tools zum CO2-Tracking bereits verstärkt zum Einsatz kommen, befindet sich der Bereich Transport und Logistik mit 35 Prozent auf dem zweiten Rang – gleich hinter der Sparte Software, Technologie und Telekommunikation (38 Prozent).

Cyberattacken als größte potenzielle Gefahrenquelle

Ein hoher Digitalisierungsgrad und weitreichende Vernetzung rücken auch das Thema Cybersicherheit in den Fokus: 9 von 10 Befragten geben an, als potenzielles Ziel von der Thematik betroffen zu sein. Das deckt sich mit den Ergebnissen des 16. Hermes Barometers zum Thema „IT- und Datensicherheit in der Supply Chain“. Auch hier bewerteten die Unternehmen potenzielle Cyberattacken als größte Gefahr. Im Rahmen der PWC-Studie äußerten mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Einkaufsexpert*innen, das eigene Unternehmen sei bereits Opfer einer Cyberattacke geworden. Insgesamt ist die Hälfte der Befragten ob der steigenden Cyberkriminalität besorgt, besonders in Nordamerika und Europa steht dieses Thema an erster Stelle der Risikobewertung.

Bedarf an externer Unterstützung erreicht hohe Werte

Die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, bei der Identifikation und Umsetzung digitaler Lösungen (53 Prozent) sowie technologischen und strategischen Fragen externe Unterstützung zu benötigen (50 Prozent). Im Bereich Changemanagement und digitale Weiterbildung setzen mit 47 Prozent fast die Hälfte der Verantwortlichen auf die Unterstützung externer Experten.

Strategisches Supply Chain Management als Erfolgsfaktor

Die Studienergebnisse zeigen, dass Faktoren wie Krisen- und Risikomanagement, CO2-Tracking, Transparenz und IT-Sicherheit im Bereich Einkauf und Beschaffung weltweit zu strategischen Zielen geworden und zu den priorisierten Digitalisierungsbestrebungen zählen. Strategisches Supply Chain Management und speziell gezieltes Supply Chain Risk Management gewinnt in diesem Kontext weiterhin an Bedeutung: Unternehmen sind damit imstande, ihre Einkaufs- und Beschaffungsprozesse zu optimieren, um mehr Effizienz, Transparenz und Resilienz zu erreichen und sich damit Wettbewerbsvorteile auf einem globalen Markt zu sichern. Externe, auf Supply Chain-Prozesse spezialisierte Beratung kann Unternehmen bei den notwendigen Schritten gezielt unterstützen.

Weitere Informationen zu der PwC-Studie „Digital Procurement Survey 2022“ können Sie hier einsehen.

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