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Green On-Carriage Management

von Redaktion

In der Beschaffungslogistik spielt das On-Carriage Management eine nicht zu unterschätzende Rolle. Gerade im letzten Abschnitt der Transportkette, wenn die Ware – meist per Lkw – ihren Weg zum Zielort antritt, wird viel Effizienz verschenkt. Wer hier stärker auf Nachhaltigkeit achtet, kann nicht nur die Umwelt entlasten, sondern zugleich bares Geld sparen. Anhaltspunkte für eine „grüne“ Optimierung der Nachlaufplanung bietet eine Kurzanalyse des VDI Zentrums Ressourceneffizienz (VDI ZRE) im Auftrag des Bundesumweltministeriums.

Ob Textilen aus Asien oder Elektronikprodukte für den europäischen Markt – zahlreiche Warenlieferungen legen den Hauptteil ihrer Reise per Schiff zurück. Allein im Hamburger Hafen wurden im Jahr 2019 mehr als 9 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Nachdem die Container vom Schiff gelöscht wurden, geht es jedoch meist per Lkw weiter. Auf der Straße wird die Fracht zu den Empfängern bzw. ihren Warenlagern an den unterschiedlichsten Orten transportiert – ein ebenso ressourcenintensives wie kostenintensives Teilstück der Supply Chain. „Um die Touren möglichst effizient auszulasten, teure Verzögerungen und unnötige CO2-Emissionen zu vermeiden, bedarf es einer exakten und nachhaltigen Nachlaufplanung“, bestätigt Ralf Boelicke, Head of Strategic Sales bei Hermes International, einem Geschäftsbereich von Hermes Germany.

Umfrage belegt Relevanz nachhaltigen Wirtschaftens

Das 12. Hermes-Barometer, eine Umfrage unter rund 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen bestätigt die Relevanz nachhaltigen Wirtschaftens für das Supply Chain Management. So stimmten 59 Prozent der befragten Entscheider der Aussage zu, dass Unternehmen für eine dauerhafte Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ökologische und soziale Kriterien in ihre Zielsysteme integrieren und in ihre Entscheidungen einbeziehen müssen. Die Bedeutung des Themas „Nachhaltigkeit“ hat darüber hinaus für sieben von zehn Befragten in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Eine nachhaltige Supply Chain wird damit zunehmend zu einem echten Wettbewerbsfaktor.

Ressourceneffizienz verbessern, Kosten sparen

Die im Sommer 2020 veröffentlichte Kurzanalyse „Ressourceneffizienz in Handel und Logistik“ des VDI ZRE zeigt auf, wie Logistikentscheider gerade auch im Transportbereich den Ressourcenverbrauch reduzieren und damit ökologische und ökonomische Vorteile realisieren können.

Ein Ansatz, um beispielsweise die einzelnen Lkw besser auszulasten und so den Transportaufwand insgesamt zu verringern, ist die Zusammenfassung von Materialströmen. Als Maßnahmen zur Frachtbündelung schlagen die Autoren unter anderem vor, die Anzahl der Spediteure zu reduzieren, paarige Verkehre zu bilden (Auslastung der Speditionsfahrzeuge auf dem Hin- und Rückweg) oder sogenannte Milk Runs zu etablieren (sequenzielle Warenlieferung und Warenannahme ähnlich den Milchlieferungen an Privathaushalte in den USA).

„Reverse Supply Chain“ Planung

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Ralf Boelicke, Ralf Boelicke, Head of Strategic Sales bei Hermes International.

Eine weitere Möglichkeit Emissionen und Kosten zu sparen, ist der Wechsel des Verkehrsmittels. „In der Praxis wird der Nachlauf überwiegend per LKW abgewickelt und das, obwohl kein Termindruck vorhanden ist“, so Boelicke. In der Folge fallen Lagerkosten an, die die Margen empfindlich minimieren können.

Der Transport über die Schiene oder per Binnenschiff ist im Vergleich zum Transport per LKW wesentlich emissionsärmer – benötigt jedoch mehr Zeit. Die sogenannte Reverse Supply Chain Planung kann Entscheider hier maßgeblich unterstützen. Bei der „rückwärtsgerichteten Planung“, verschiebt sich der Planungsfokus auf den Endpunkt der üblichen SCM-Planung: Auf den Zeitpunkt, wann die Waren oder Produktionsmittel am definierten Standort tatsächlich benötigt werden. „Abhängig von der festgelegten Ankunftszeit am Standort, bleibt nach dem Eintreffen der Fracht im Hafen häufig genug Zeit, um den Nachlauf per Schiene oder Binnenschiff zu realisieren – und Co2 einzusparen“, sagt Boelicke.

Mit Transportkooperationen Auslastung steigern

Ein weiterer Hebel sind Transportkooperationen: Durch neue Formen der Zusammenarbeit können Logistikunternehmen ihr Transportvolumen insgesamt erhöhen und Lkw-Ladeflächen besser ausnutzen. Ein Praxisbeispiel zeigt das enorme Potential: So ist es zwei unabhängigen Automobilzulieferern im Rahmen einer Transportkooperation gelungen, dank der gesteigerten Anzahl möglicher Routen und der Auswahl des jeweils nächstgelegenen Logistikzentrums die zurückgelegten Transportkilometer um 54 Prozent zu verringern.

Transport 4.0: Modifizierte Lieferfahrzeuge

Auch die Ausstattung der einzelnen Lieferfahrzeuge entscheidet mit über die Ressourceneffizienz von Transportprozessen. Durch gezielte Modifikationen lassen sich laut Analyse des VDI ZRE nachhaltige Vorteile erzielen. Ein Beispiel ist die Unterteilung der Lkw-Ladeflächen in unterschiedliche Temperaturbereiche, wodurch etwa Tiefkühlware gemeinsam mit Kühlware ausgeliefert werden kann. So können Fahrten eingespart und die flottenbezogenen Fahrtkilometer insgesamt reduziert werden. Laut der Recherche der Autoren gelang es in der Praxis, mithilfe eines solchen Multitemperaturkonzepts jährlich 260.000 Stopps und 3,4 Millionen Fahrtkilometer zu vermeiden. Auch Konzepte im Bereich alternativer Antriebe und regenerativer Kraftstoffe gewinnen in diesem Zusammenhang zunehmend an Relevanz.

SCM-Software: Digitales Tool für eine effektive Steuerung

Von Transportkooperationen über Fahrzeug-Modifikationen bis zu alternativen Antrieben: Die Liste möglicher Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in der Transportlogistik ist lang. „Ein umweltschonendes und zugleich kosteneffizientes „Green On-Carriage Management“ wird jedoch letztlich nur gelingen, wenn sämtliche Prozesse möglichst transparent und intelligent ineinandergreifen“, weiß Boelicke. Digitale Strategien und Tools können hier den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen – zum Beispiel webbasierte SCM-Plattformen.

So bietet etwa die Nachlauflösung von Hermes International, einem Geschäftsbereich von Hermes Germany, zahlreiche Visualisierungs- und Steuerungsmöglichkeiten für ein effizientes On-Carriage Management. Mithilfe der webbasierten Lösung können die Nutzer unter anderem Dispositionen abwickeln und Analysen erstellen, um die Performance ihrer Dienstleister zu bewerten. Darüber hinaus ist das System individuell skalierbar und ermöglicht eine transparente systemgestützte Kommunikation mit Kunden, Spediteuren und weiteren Akteuren. So behalten die Unternehmen jederzeit den Überblick – und können sämtliche Prozesse in die gewünschte Richtung lenken.

Die Ergebnisse des 12. Hermes-Barometers zum Thema „Nachhaltigkeit in der Supply Chain“ finden Sie kostenfrei hier.

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