Transparente Lieferketten: IT-Sicherheit rückt in den Fokus

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Unsplash/Paolo Chiabrando

Wer komplexe Lieferketten steuert, muss jede Bewegung im Blick haben. Der Einsatz digitaler Technologien verspricht Transparenz in Echtzeit – die Vision der gläsernen Supply Chain rückt in greifbare Nähe. Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung steigt aber auch das Risiko von Cyberangriffen. Transparenz und IT-Sicherheit sollten daher Hand in Hand gehen. Dies bestätigt unter anderem auch das Hermes-Barometer „Transparenz in der Supply Chain“.

Die Nachverfolgung der Fracht sowie Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort oder die voraussichtliche Ankunftszeit sind wichtige Erfolgsfaktoren eines fundierten Supply Chain Managements. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Liefernetzwerke steigt auch die Genauigkeit der Prognosen.

Moderne Algorithmen ziehen immer exaktere Schlüsse aus einer Fülle von Daten und ermöglichen Unternehmen eine Lieferkettentransparenz in Echtzeit. So lassen sich auf Basis von Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI) zum Beispiel die Ankunftszeiten der Fracht vorhersagen, so dass Verspätungen nicht mehr zwangsläufig zu langen Wartezeiten an den Laderampen führen oder Produktionsketten durcheinanderbringen und damit unnötige Mehrkosten verursachen.

Smart Logistics: Die „Digital Champions“ machen es vor

Die Verbesserung der ETA-Prognosen ist nur ein Beispiel von vielen. Digitale Technologien und KI gelten als Schlüssel zu mehr Effizienz, Kundenorientierung und Nachhaltigkeit in der gesamten Supply Chain.

Dies bestätigt auch die aktuelle PwC-Studie „Connected and autonomous supply chain ecosystems 2025“. Demnach haben bereits 82 Prozent der Digital Champions, also der führenden Unternehmen der digitalen Transformation, intelligente Logistiksysteme implementiert. Dadurch sei es gelungen, im Durchschnitt jährlich 6,8 Prozent der Kosten einzusparen. „50 Prozent der Einsparungen von Supply Chain Kosten gehen auf das Konto von Smart Logistics“, so die Experten. Außerdem bemerkenswert: „Oberste Priorität“ hat für jeden zweiten Digital Champion die Transparenz der Lieferkette.

Mehr Transparenz? Fast die Hälfte der Unternehmen hat Sicherheitsbedenken

Gerade im Corona-Krisenjahr 2020 hat das Thema „Transparenz in der Supply Chain“ noch einmal deutlich an Relevanz gewonnen. Laut des 13. Hermes-Barometers, einer Umfrage unter 200 Logistikentscheidern in Deutschland, bestätigt jedes zweite Unternehmen diesen Trend. Darüber hinaus sind drei Viertel der befragten Entscheider (75 Prozent) der Meinung, dass digitale Technologien von entscheidender Bedeutung sind, um bei künftigen Krisen über eine widerstandsfähige Lieferkette zu verfügen. Die Digitalisierung in der Branche schreitet denn auch voran. Innovative Technologien wie die Blockchain oder KI nutzen aktuell jedoch erst 10 Prozent der befragten Unternehmen. Was bremst Logistikentscheider auf ihrem Weg zur transparenten Supply Chain? Immerhin 46 Prozent der Befragten äußern Sicherheitsbedenken. Sie scheuen sich, Daten mit ihren Partnern zu teilen.

Cyberattacken nehmen weltweit zu

Ganz unbegründet ist diese Sorge nicht, denn mit der zunehmenden Digitalisierung nehmen auch Cyberattacken auf Liefernetzwerke zu. Das Allianz Risk Barometer 2020 sieht in Cybervorfällen gar das wichtigste Geschäftsrisiko für Unternehmen weltweit. Angriffsfläche für Kriminelle bietet dabei oft nicht nur die eigene Lieferkette; gerade auch eine schlecht geschützte IT-Infrastruktur von vernetzten Partnerfirmen oder Lieferanten kann zum Einfallstor für Cyberkriminelle werden. Als besonders verwundbar erweisen sich zum Beispiel die Endpunkte des Internet of Things (IoT). IoT-basierte Cyberattacken nehmen laut Expertenberichten dramatisch zu.

IT-Sicherheits-Vorgaben für Lieferanten und Partnerfirmen

Logistikentscheider stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Zum einen gilt es, die Supply Chain zu digitalisieren, transparenter zu gestalten und damit möglichst krisenfest zu machen – zum anderen entstehen genau daraus neue Risiken. Eindämmen lassen sie sich nur, wenn IT-Sicherheit von vornherein bei allen Entscheidungen mitgedacht wird – auch über das eigene Unternehmen hinaus.

Ein systematisches Cyber Supply Chain Risk Management beinhaltet daher nicht zuletzt die sorgfältige Auswahl von Geschäftspartnern nach Kriterien der IT-Sicherheit. Internationale Normen wie die ISO/IEC 27036:2013+ haben das Thema bereits aufgegriffen und beschäftigen sich mit grundlegenden IT-Security-Vorgaben für Lieferanten. Die beschriebenen Standards und Best Practices bieten einen guten Ausgangspunkt, um die Cybersecurity der eigenen Supply Chain zu verbessern.

Auch auf dem Markt mehren sich die Angebote professioneller Lösungen, die helfen sollen, Transparenz zu schaffen und zugleich ressourceneffiziente Sicherheitskonzepte umzusetzen. Mit einer einmaligen Investition ist es jedoch meist nicht getan, denn um wirksamen Schutz zu bieten, müssen die Systeme permanent auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Aber selbst in kleinen Schritten lässt sich so manche IT-Sicherheitslücke schließen. Die Nutzung einer gemeinsamen SCM-Software etwa, mit der sich Zugriffsrechte definieren und Daten sicher teilen lassen, erleichtert die Kommunikation mit Lieferanten und schafft Vertrauen in den Austausch sensibler Informationen: Eine wichtige Voraussetzung, um die Vernetzung der Supply Chain zum Vorteil aller Beteiligten weiter voranzutreiben.

Das gesamte Hermes-Barometer zum Thema „Transparenz in der Supply Chain“ können Sie hier kostenfrei einsehen.

 

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