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Risikomanagement: Auf dem Weg zur resilienten Supply Chain

von Redaktion

Geopolitische Umwälzungen, Cyberangriffe, Lockdowns  – das Corona-Jahr 2020 hat gezeigt, wie schnell es zum Ausfall relevanter Lieferanten kommen kann. Umso wichtiger ist es, sich für zukünftige Krisen zu wappnen. Ein fundiertes, systematisches Supply Chain Riskmanagement (SCRM) hilft, die Qualität von Prognosen zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit der Supply Chain insgesamt zu erhöhen.

Die Corona-Pandemie hat ein Schlaglicht auf die Schwachpunkte der globalisierten Welt geworfen. Auch die Verwundbarkeit der internationalen Liefernetzwerke rückte in diesem Jahr verstärkt ins Blickfeld – aufgrund von Lockdowns gerieten die Supply Chain Prozesse weltweit ins Stocken.

SCRM – Anforderungen steigen

Plötzliche Lieferausfälle sind allerdings nichts Neues: Laut der Studie „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen und Status quo 2020“, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit dem SCRM-Spezialisten Riskmethods durchgeführt hat, berichtet jedes zweite Unternehmen von bis zu fünf ernsthaften Störungen innerhalb eines Jahres. Das Pandemierisiko steht laut Umfrage nur an fünfter Stelle der möglichen Bedrohungen. Ganz oben auf der Liste: politische Risiken, insolvente Lieferanten und Cyber-Sicherheitsrisiken.

Auch die Themen Nachhaltigkeit und Compliance sind demnach aktueller denn je. Nicht zuletzt aufgrund des geplanten Lieferkettengesetzes befürchten viele Unternehmen Wettbewerbsnachteile, wenn Zulieferer soziale und ökologische Standards nicht einhalten.

Supply Chain Monitoring

Was können Logistikentscheider tun, um Risiken zu minimieren und im Ernstfall schnell reagieren zu können? Ein erfolgreiches Risikomanagement erfordert grundsätzlich ein hohes Maß an Transparenz im gesamten Liefernetzwerk. Sind zum Beispiel alle Produktionsstätten und Niederlassungen der Lieferanten identifiziert? Mit welchen Zulieferbetrieben arbeiten diese wiederum zusammen? Und welche Lieferanten sind im Hinblick auf eine mögliche Insolvenz oder mangelnde Lieferfähigkeit besonders gefährdet? Nur wenn jederzeit aktuelle Informationen verfügbar sind, kann das Unternehmen bei Problemen gezielt gegensteuern. Experten empfehlen daher ein permanentes Mapping sämtlicher Lieferantenbeziehungen. Hier kann beispielsweise die Nutzung einer SCM-Plattform oder künstlicher Intelligenz (KI) Unternehmen unterstützen und als Frühwarnsystem fungieren.

Digitale Lösungen für mehr Transparenz

Digitale Lösungen spielen auch in anderen Teilbereichen des SCRM eine zunehmend wichtige Rolle. Beispiel Bedarfsprognosen: Sie sind unverzichtbar, wenn es darum geht, ganzheitliche Lösungen für Probleme in der Lieferkette zu finden. So können zum Beispiel Orkane und andere Unwetterereignisse einen Dominoeffekt in der Lieferkette auslösen – und im Handel schnell zu Leer- oder Überbeständen führen. Big Data Analysen und KI-basierte Anwendungen helfen, die Bedarfsprognosen zu automatisieren und bessere Ergebnisse zu erzielen. Werden beispielsweise aktuelle Geschäfts- und Kundendaten mit kontextuellen Erkenntnissen einschließlich Wetteranalysen und Echtzeit-Updates über den Status der Infrastruktur verknüpft, können die Verantwortlichen schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren.

Intelligente Algorithmen werden ebenfalls dazu eingesetzt, politische Risiken entlang der Lieferketten zu identifizieren. Professionelle Lösungen in diesem Bereich sammeln und analysieren unter anderem Daten aus Social-Media-Kanälen, Nachrichten und weiteren Quellen und können nahezu in Echtzeit entsprechende Indikatoren liefern. Als Maßnahme, um IT-Schwachstellen zu erkennen und Hacker-Angriffen entgegenzuwirken, werden wiederum IT-Sicherheitsratings empfohlen. Die Überprüfung der IT-Prozesse und -Infrastruktur – sowohl im eigenen Unternahmen als auch bei Lieferanten – soll zeigen, wie gut die Lieferkette auf Cyberangriffe vorbereitet ist.

Nachholbedarf bei ganzheitlichem Supply Chain Riskmanagement

Versorgungssicherheit und Produktqualität, Vermeidung von Lieferantenausfällen, Konformität mit den gesetzlichen Anforderungen – für eine gezielte Risikoprävention innerhalb der Lieferkette es gibt zahlreiche gute Gründe. Dennoch betreibt die große Mehrheit der Unternehmen bislang kein systematisches Risikomanagement. Laut dem 11. Hermes-Barometer „Risikoprävention und Versorgungssicherheit in der Supply Chain“ verfolgten 2019 lediglich 39 Prozent der befragten Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz. Stattdessen setzen die Logistikentscheider bislang eher auf Einzelmaßnahmen. 57 Prozent der befragten Unternehmen haben für Risiken mit einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit einen Notfallplan erstellt.

Fakt ist jedoch: Die Risiken in der Supply Chain nehmen zu. Das gilt sowohl für äußere Einflüsse wie Hackerangriffe oder Pandemien als auch für unternehmensinterne Faktoren – etwa die Zentralisierung einzelner Lieferkettenkomponenten. Ob durch den Aufbau eigener Ressourcen oder mit Unterstützung durch externe Logistikdienstleister: Unternehmen sind gut beraten, das Thema Supply Chain Risk Management strategisch fest zu verankern und ganzheitlich aufzustellen. Ein agiles und effizientes 360-Grad-Risikomanagement trägt wesentlich zu einer stabilen, planbaren Beschaffungslogistik bei – und ist eine lohnende Investition in die Resilienz und Business-Kontinuität des eigenen Unternehmens.

Sie möchten sich zum Thema Supply Chain Risk Management weiterbilden?

Hier finden Sie die Aufzeichnungen zu den Webinaren „Supply Chain Risk Management: Risikofelder erfolgreich identifizieren sowie Supply Chain Risk Management: Erfolgreicher Go-Live und Anwendung“.

Ein Interview mit Tobias Ruscheweyh, Head of Branch bei Hermes International, einem Geschäftsbereich von Hermes Germany, zu den steigenden Anforderungen an das Supply Chain Management finden Sie hier.

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