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Q&A: Wie können Unternehmen ihre SC breiter aufstellen und Risiken senken?

von Redaktion

Pandemiebedingte Lieferengpässe und eingeschränkte Produktionskapazitäten verursachen bei deutschen Unternehmen Verluste in Milliardenhöhe. Logistikverantwortliche stehen vor der komplexen Aufgabe, ihre Supply Chain breiter aufzustellen und Risiken zu senken – mit dem Ziel, die eigene Liefer- und Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen und langfristige Störungen zu vermeiden. Tobias Ruscheweyh, Head of Branch bei Hermes International, erklärt, wie das auch in herausfordernden Zeiten gelingt.

tobias ruscheweyh

Tobias Ruscheweyh, Head of Branch bei Hermes International

Unternehmen müssen derzeit vor allem mit pandemiebedingten Zulieferengpässen umgehen, da insgesamt eine starke Nachfrage auf bestimmte Warengruppen wie bspw. elektronische Artikel besteht. Diese Entwicklung wird in den kommenden Monaten noch nachwirken. Doch dürfte der Nachholbedarf bezogen auf den Warenkonsum mittelfristig eher begrenzt sein.

Unternehmen sollten das Geschehen und sich daraus ergebene  Herausforderungen im Rahmen ihres Supply Chain Risikomanagements (SCRM) analysieren, um Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Hier sind Logistikverantwortliche, die einen transparenten Einblick in die verschiedenen Prozesse ihrer Supply Chain haben, klar im Vorteil. Sie sind imstande, Abhängigkeiten von beteiligten Akteure detailliert zu durchleuchten und diese bei der Risikoanalyse zu berücksichtigen.

Mittelfristig überdacht werden sollte insbesondere die starke Abhängigkeit von China. Das derzeit einwohnerreichste Land der Welt wird perspektivisch vorangig den heimischen Markt bedienen, weshalb Lieferketten mit dortigen Anknüpfungspunkten weiterhin von Engpässen betroffen sein werden. Wir regen unsere Kund*innen daher dazu an, über eine zumindest teilweise Verlagerung auf alternative Produktionsstandorte nachzudenken. Andere asiatische Länder wie Indien, Bangladesch oder auch Pakistan erweisen sich aufgrund geringer Lohn- und Produktionskosten als attraktive Beschaffungsmärkte. Gleichzeitig erweitern diese Länder ihre Produktionskapazitäten im Hinblick auf Segmente und Branchen stetig und bieten europäischen Unternehmen ein großes Potenzial.

Neben den Beschaffungs- und Produktionskosten sollte auch der Anteil der Logistikkosten – gerade auf dem aktuellen Preisniveau – in die Risikoabwägung einfließen. Je nach Produkt liegen die Logistikkosten derzeit zwischen 7 und 20 Prozent. Insbesondere die Entwicklung der Seefrachtraten kann ein gewichtiges Argument dafür sein, Teile der eigenen Supply Chain in andere Regionen zu verlagern. Preise und Laufzeiten lassen sich dadurch gezielt beeinflussen. Ein aktuelles Beispiel: Wer in Indien anstatt China produziert und seine Waren per 40-Fuß-Container nach Europa verschifft, kann ca. 50 bis 60 Prozent der Seefrachtkosten einsparen.

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In diesem Zusammenhang lohnt auch der Blick auf den aufstrebenden Produktionsstandort Pakistan, der schon aufgrund seiner geografischen Lage Vorteile bietet. Das asiatische Land ist direkt an die internationale Containerschifffahrt angebunden. Waren gelangen ohne Umladung und lange Laufzeiten nach Europa. Beispielsweise dauert die Transitzeit vom pakistanischen Port Qasim nach Rotterdam 21 bis 22 Tage, während die Warenverschiffung von Shanghai nach Rotterdam  27 oder mehr Tage beträgt.

Zusammenfassend geht es darum, mit einem vorausschauenden Risiko- und Beschaffungsmanagement eine dauerhafte Störung der eigenen Supply Chain zu vermeiden. Datenbasierte Informationen können dabei helfen, relevante Entwicklungen zu verfolgen sowie richtige und frühzeitige Entscheidungen zu treffen. Dafür sollten alle wichtigen Stakeholder aus relevanten Unternehmensbereichen – wie Beschaffung, Vertrieb, Warenbestand/Warenabsatz und Logistik – regelmäßig und gemeinsam Bewertungen vornehmen und entscheiden, wie auf Preisanstiege, Produktions- Zuliefer- oder Lieferengpässe sowie lange Lieferzeiten reagiert werden soll.

Unternehmen, die aufgrund der Ergebnisse ihrer Risikoanalyse den Eintritt auf alternative Beschaffungsmärkte erwägen, müssen dies nicht alleine bewältigen. Sie sollten die Zusammenarbeit mit erfahrenen Dienstleister*innen wie Hermes International erwägen, die über Know-how im Bereich des internationalen Warenverkehrs verfügen und mit verlässlichen Partner*innen vor Ort für einen bestmöglichen Zugang zu dem jeweiligen Markt sorgen.

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