Home Unternehmen Supply Chain Visibility: Sichtbarkeit erhöhen, Risiken managen
Supply Chain Visibility Lieferkettentransparenz
Unsplash/ Timelabpro

Supply Chain Visibility: Sichtbarkeit erhöhen, Risiken managen

von Editorial Office

Die Transparenz von Abläufen und Prozessen innerhalb der eigenen Lieferkette stellt Unternehmen vor eine große Herausforderung. Eine hohe Anzahl von Akteuren und Schnittstellen machen es für Unternehmen zu einer vielschichtigen Aufgabe, die komplexen Risiken und Anforderungen der Gegenwart erfolgreich zu minimieren. Dazu zählen nicht nur Störungen des Warenflusses und eine erhöhte Marktvolatilität, sondern auch neue gesetzliche Anforderungen an die Lieferkettentransparenz und der Wunsch der Kund*innen nach Verbraucherinformationen zu Herkunft, Historie und ökologischen Standards der angebotenen Produkte. Eine gelungene Supply Chain Visibility ist die Grundlage dafür, diese Herausforderungen zu bewältigen. Wir zeigen, wie Unternehmen die Abläufe ihrer Lieferkette sichtbarer, transparenter und damit auch resilienter gestalten können.

Sichtbarkeit als Steuerungsinstrument

Für Unternehmen ist die effiziente und bedarfsgerechte Steuerung ihrer Lieferkette maßgebend. Global agierende Organisationen jedoch haben große Teile ihrer Supply Chain ausgelagert und stehen damit vor der komplexen Aufgabe, die Kontrolle über alle Abläufe zu behalten. Eine hohe Supply Chain Visibility macht durch Datensammlung und Track-and-Trace-Technologien Prozesse innerhalb der Lieferkette sichtbar und ermöglicht es, Rohstoffe, Komponenten, Endprodukte aber auch Informationen auf ihrem Weg vom Lieferanten über den Produzenten bis zu den Endverbraucher*innen zu verfolgen. Die Übermittlung von Echtzeitdaten an alle Beteiligten erlaubt den für das Supply Chain Management Verantwortlichen schnelle Reaktion auf Herausforderungen wie Nachfrageschwankungen oder Lieferengpässe innerhalb der Supply Chain. So können wichtige Entscheidungen anhand verfügbarer Daten schneller getroffen, Prozesse durchgehend optimiert und Partnerschaften fortlaufend bewertet werden. Damit wird die Supply Chain Visibility zur entscheidenden Grundlage für die Überwachung und Steuerung der Lieferkette.

Mangelnde Transparenz als Unternehmensrisiko

Die Relevanz der Supply Chain Visibility belegt der „Transportation Pulse Report 2022“) erhoben von der Transportmanagementplattform Transporeon. 58 Prozent der 280 befragten Unternehmen aus dem Logistik-Bereich gaben an, dass mangelnde Lieferkettentransparenz ein Unternehmensrisiko darstelle, vor allem auf Grund unausgereifter Kommunikation und mangelnder Digitalisierung. Wie das 16. Hermes-Barometer  zeigt, gilt dies auch für den Bereich der IT- und Datensicherheit. Zudem können dank erhöhter Sichtbarkeit der unternehmensübergreifenden Prozesse gemeinsam definierte Standards und gesetzliche Vorschriften von allen Beteiligten besser eingehalten werden.

Weitere Beiträge

Bereiche, in denen Supply Chain Visibility von besonderer Bedeutung ist:

  • Beschaffungs- und Bestandsmanagement: Eine grundsätzlich erhöhte Marktvolatilität, saisonale Schwankungen, Peaks und Störungen des Warenflusses erfordern in Beschaffung und Bestandsverwaltung erhöhte Agilität. Supply Chain Visibility ist die Grundlage für bessere Übersicht, frühzeitige Alerts, schnelles Reagieren und langfristigere Vorhersagen. Je qualifizierter die Erhebung und Konsolidierung des Datenmaterials, desto präziser sind Planungen und Anpassungen möglich.
  • Ökologische Standards: Der Bedarf nach mehr SC Visibility ist hoch, zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit. Laut einer Studie der Beratungsagentur KPMG erwarten 85 Prozent der Modekunden mehr Informationen zur Herkunft der Produkte. Der Fashion Transparency Index 2021 jedoch zeigt, dass nur 47 Prozent der 250 größten Modemarken ihre direkten Zulieferer preisgeben.
  • Sorgfaltspflichten: Das ab 2023 geltende Lieferkettengesetz. sieht vor, dass Unternehmen mit über 3.000 Mitarbeitern Verantwortung tragen für die Einhaltung von Menschenrechten in ihrer Supply Chain.
    Auch die Europäische Kommission hat bereits einen Vorschlag für eine Richtlinie über die Sorgfalts- und Nachhaltigkeitspflichten von Unternehmen angenommen. Der Pflicht für Unternehmen zu mehr Lieferkettentransparenz wächst somit stetig.
  • Kundenzufriedenheit: Wer mit erhöhter Supply Chain Visibility nicht nur auf Effizienz und eine verbesserte Performance setzt, sondern gleichzeitig den Wunsch der Verbraucher*innen nach mehr Transparenz erfüllt, wird mit einer stärkeren Kundenbindung sowie Markentreue und damit erhöhten Wettbewerbsvorteilen belohnt.

SCV umsetzen: Prozessübergreifend zu mehr Sichtbarkeit und Transparenz

Um eine verbesserte Supply Chain Visibilty zu erreichen, sollten verschiedene Prozesse innerhalb des Unternehmens und der Lieferkette ineinandergreifen. Für ein optimales Ergebnis sollten folgende Bereiche in die Umsetzung einbezogen werden:

  1. Qualitätssicherung: Um definierte qualitative Ansprüche zu erreichen und langfristig beizubehalten, ist eine klare Übersicht über das eigene Netzwerk aus Partnern und Zuliefern notwendig. Wichtig ist, dass deren Qualitätssicherung und Inspektionsprozesse auf dem gewünschten Niveau etabliert und standardisiert werden – nachverfolgbar durch Software-Lösungen, die übersichtlich und gebündelt eine Plattform für Qualitätsprüfung im Supply Chain Management bieten.
  2. IT-Systeme: Mit modernen Software-Lösungen. kann die Supply Chain Visibility entlang der gesamten Lieferkette deutlich erhöht werden. Die Digitalisierung von Supply Chain Prozessen ermöglicht durch Echtzeittransparenz (Real-Time-Visibility) die Sichtbarkeit von Beständen, Prozessen und Kapazitäten in der Lieferkette. Die Nachfrage nach diesen Systemen ist hoch: Bereits im Frühjahr 2021 plante jedes vierte Unternehmen in naher Zukunft Echtzeitsysteme und -prozesse zu implementieren (laut des 14. Hermes-Barometers zum „Digitalen Wandel im SCM“).
  3. Informationsfluss und Kommunikation: Bei etwaigen Lieferschwierigkeiten sollten alle Beteiligten der Supply Chain ihre Informationen unverzüglich weitergeben können – unabhängig davon, wo es in der Lieferkette stockt. Deshalb ist ein kollaborativer Ansatz von Vorteil, bei dem alle Partner – zum Beispiel über cloudbasierte SCM-Software – miteinander verbunden sind und der Informationsaustausch effektiv genutzt werden kann.
  4. Projektmanagement: Damit sich die Supply Chain Visibility messbar erhöht, spielt ein erfolgreiches Projektmanagement eine große Rolle. Hierbei helfen klare Zielformulierungen und die Einbeziehung des Managements, damit geplante Innovationen umgesetzt und Defizite beseitigt werden können.

Angesichts einer sich ständig verändernden Marktsituation kann eine hohe Transparenz der Lieferkettenprozesse und Warenflüsse ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Unternehmen, die auf eine Verbesserung der Supply Chain Visibility setzen, erhöhen damit ihre Reaktionsgeschwindigkeit und erhalten ihre Handlungsfähigkeit auch in herausfordernden Situationen.

Ähnliche Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

* Wenn Sie dieses Formular nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.