Internet of Things – Schlüssel zur nachhaltigen Supply Chain

IoT & Nachhaltigkeit

Unsplash/Adi Goldstein

Unternehmen werden zunehmend danach bewertet, ob sie ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht werden, und zwar in der gesamten Wertschöpfungskette – Transparenz ist Pflicht.

Für das Management globaler Lieferketten bedeutet das: Um Risiken zu vermeiden, müssen Hersteller über das eigene Werkstor hinausblicken, gemeinsam mit Zulieferern in aller Welt an der Optimierung von Prozessen arbeiten und jederzeit den Zugriff auf Nachhaltigkeitsinformationen sicherstellen. Unterstützung verspricht die intelligente Vernetzung von Objekten und Prozessschritten im Internet of Things (IoT).

Textilien aus Bangladesch für die Fashion-Industrie, Seltene Erden aus China für Smartphones und Elektroautos: Vom Rohstoff bis zur Vermarktung des fertigen Produkts ist es oft ein weiter Weg. Die Prozesse entlang der globalen Lieferketten sind komplex und schwer zu überschauen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Compliance und Nachhaltigkeit. Kunden, Investoren und Behörden erwarten transparente Informationen zum Umweltschutz, zu Arbeitsbedingungen und zur Korruptionsbekämpfung. Für größere EU-Unternehmen gilt seit 2017 beispielsweise eine Berichtspflicht zum Thema Corporate Social Responsibility.

Intelligente Vernetzung über Ländergrenzen hinweg

Wie lässt sich sicherstellen, dass die geforderten Standards in der gesamten Supply Chain eingehalten werden – auch über Ländergrenzen hinweg? Um die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und Risiken zu vermeiden, setzen immer mehr Unternehmen auf die Potentiale des Internet of Things (IoT). Die intelligente Vernetzung von Objekten und IT-Systemen ermöglicht ein durchgängiges Tracking; sämtliche Schritte in der Lieferkette lassen sich nahezu in Echtzeit nachverfolgen und dokumentieren. Langfristig können sich daraus entscheidende Wettbewerbsvorteile ergeben: Die gesammelten Daten schaffen die Grundlage, um Schwachstellen aufzudecken, die Supply Chain nachhaltiger und kosteneffizienter zu steuern – und damit am Markt zu überzeugen.

Container-Tracking für mehr Transparenz und Sicherheit

Ein Beispiel für die Anwendung moderner IoT-Technologien ist das Container-Tracking – etwa über RFID-Transponder oder Bluetooth-Low-Energy-Tags (BLE-Tags). Wetter- und stoßfest an den Containern verbaut und durch eine eindeutige Nummer identifizierbar, „kommunizieren“ die Tags über den jeweiligen Funkstandard mit dem Logistik-System des Unternehmens. Sobald eine Verbindung beispielsweise mit der Onboard-Unit eines Fahrzeugs aufgebaut wird, können Daten zum Objekt und zum Standort ausgelesen werden. Es liegt auf der Hand: Die umfassenden Datenspuren der Behälter erleichtern die Disposition, helfen Transportwege zu optimieren, die Auslastung zu verbessern und CO2 einzusparen. Bauteile für die Industrie oder auch Lebensmittel lassen sich bis zum Ursprung zurückverfolgen – ein wesentlicher Pluspunkt im Hinblick auf die Optimierung und die Nachhaltigkeit der eigenen Supply Chain.

Längst geben intelligente Behälter aber nicht nur Auskunft über Standorte, Temperaturen oder Packkapazitäten. Mithilfe von Sensoren ist beispielsweise auch eine Überwachung zum Schutz vor Diebstahl möglich. Zudem lassen sich Unterbrechungen im geplanten Ablauf und Lieferverzögerungen frühzeitig erkennen und Zwischenfälle einwandfrei dokumentieren. In Zukunft könnten Behälter und Ladungsträger wie zum Beispiel Paletten ihre Transportwege sogar völlig autonom organisieren: In selbststeuernden Lieferketten kommunizieren sie über IoT-Netzwerke miteinander. Sie senden Daten in Echtzeit, die allen Beteiligten der Supply Chain in einer Cloud zur Verfügung stehen, und teilen selbstständig mit, wo sie sich befinden und wohin die Reise gehen soll.

Lagerhaltung: Smarte Roboter auf dem Vormarsch

Auch für die Lagerhaltung eröffnet das Internet of Things völlig neue Möglichkeiten in puncto Transparenz, Prozesseffizienz und Nachhaltigkeit. Mithilfe moderner Identifikationsstandards können sämtliche Produkte im Lager automatisch erfasst und identifiziert werden. Durch die Verknüpfung von Status-Informationen mit dem unternehmenseigenen ERP-System lassen sich zudem quasi auf Knopfdruck Analysen zum Absatz oder zur Bilanz erstellen.

Eine zunehmend wichtige Rolle spielen darüber hinaus Roboter: Unter anderem bewegen sie Paletten, bedienen Regale und ersetzen so die Arbeit der oft unfallträchtigen Gabelstapler. Anthropomorphe Roboter übernehmen die Kommissionierung und führen mit ihren maschinellen Greifarmen die gesamte Phase der Auftragsvorbereitung automatisch aus. Damit sie präzise arbeiten, müssen die Roboter allerdings regelmäßig kalibriert werden. Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten wird derzeit untersucht, inwieweit sich dies durch künstliche Intelligenz (KI) vereinfachen lässt. Das heißt: Durch maschinelles Lernen sollen die Roboter über softwaregetriebene Kalibriermethoden ihre Genauigkeit im Betrieb letztlich laufend selbst verbessern.

Investition in bedarfsgerechte Lösungen zahlt sich aus

Beschleunigte und sichere Prozesse im Lager, transparente Warenströme, eine effiziente Tourenplanung und mehr Ökoeffizienz: Die durchgängige digitale Vernetzung der Supply Chain eröffnet zahlreiche Perspektiven für ein zukunftsfähiges Supply Chain Management. Das Internet of Things bietet vielfältige Ansatzpunkte, um die Prozesse gemeinsam mit Lieferanten zu optimieren, den Ressourcenverbrauch zu senken und gleichzeitig Kosten einzusparen. Null-acht-fünfzehn-Lösungen sind allerding kaum zielführend. Damit sich die Investitionen nachhaltig auszahlen, sollten Unternehmen ihre Digital Readiness überprüfen und von vornherein auf passgenaue, bedarfsgerechte Konzepte setzen.

Eine aktuelle Studie zum Thema Nachhaltigkeit in der Supply Chain finden Sie hier.

 

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